d.A. – Wie sieht's denn hier aus? / Eigensinnig unperfekt zwischen Stadt und Land. Sun, 27 Apr 2014 07:06:13 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.1 Ein Mülltonnenbehälter für die Schönste Germanin /2014/04/ein-muelltonnenbehaelter-fuer-die-schoenste-germanin/ /2014/04/ein-muelltonnenbehaelter-fuer-die-schoenste-germanin/#respond Sun, 27 Apr 2014 07:06:13 +0000 /?p=6767 Lesen fortsetzen ]]> Ganz vorne am Garten, direkt neben dem Tor, stehen unsere beiden Mülleimer. Sie sind praktisch, aber hässlich. Dummerweise sieht man sie, wenn man aus dem Wohnzimmerfenster schaut, man sieht sie, wenn man vom Balkon auf den Garten blickt, und man sieht sie, wenn man in die Einfahrt hineinbiegt. Seit Jahren wollen wir sie verstecken.

Was haben wir nicht Pläne entworfen, wie man sie verbergen kann! Von einem einfachen Dach zum unterstellen bis hin zu komplizierten kleinen Holzhäuschen mit eingebauter Videokamera (für die Straße, nicht für die Mülleimer) war alles dabei.

Und dann hat die Schönste Germanin zufällig eine Anzeige vom Baumarkt gesehen für eine Art Holzkäfig für zwei Mülleimer, zu einem Preis, für den wir nicht einmal das Holz für unsere primitivste Versionen hätten kaufen können. Also haben wir uns in ein ganz anderes Abenteuer gewagt: Ein Bausatz, der nicht von einem namhaften schwedischen Möbelkonzern stammt.

Zuerst musste allerdings die Stellfläche selbst gesäubert werden, wo sich das Efeu breit gemacht hatte.

WSDHA MC 01

Der Aufbau selbst war zunächst nicht weiter schwer, nur umständlich wegen der großen Teile. Da keine Löcher vorgebohrt waren und die Zeichnung nicht wirklich ins Detail ging, war etwas Fantasie gefragt, was den Ablauf des Aufbaus anging.

WSDHA MC 02

Wir haben uns es auch etwas leicht gemacht und einfach ignoriert, dass es ein leichtes Gefälle an dieser Stelle gibt – der Käfig wird genauso schief stehen wie die Mülltonnen selbst. Alles eine Frage des Referenzsystems.

WSDHA MC 03

Schwierig wurde es erst, als die aufklappbaren Deckel und Türen an der Reihe waren. Wie hoch müssen die Scharniere gesetzt werden? Hat man daran gedacht, die Seiten nach vorne leicht nach außen zu stellen, damit die Reibung beim aufklappen nicht zu groß ist? Nein? Dann bitte die Schrauben nochmal setzen.

Hier bewährt sich das „Prototypen-Prinzip“ als Vorgehensweise: Man bearbeitet nicht die einzelnen Teile parallel, was eigentlich schneller gehen würde, sondern macht eine Version und lernt dann von seinen Fehlern.

WSDHA MC 04

Am Ende hat der Aufbau drei Stunden gedauert, viel mehr als erwartet, aber immer noch sehr viel weniger, als wenn man es ganz selbst gebaut hätte. Billiger war es wie gesagt immerhin. Es fehlt allerdings das tiefe Gefühl der Befriedigung, das man hat, wenn man ein Projekt ganz allein durchzieht – nur, zu viel Spaß ist bestimmt schädlich, irgendwie.

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Ein drehbarer Schuhschrank für die Schönste Germanin /2013/09/ein-drehbarer-schuhschrank-fuer-die-schoenste-germanin/ /2013/09/ein-drehbarer-schuhschrank-fuer-die-schoenste-germanin/#comments Wed, 25 Sep 2013 20:24:59 +0000 /?p=6437 Lesen fortsetzen ]]> Wir werden in diesem Eintrag nicht darüber sprechen, wie viele Schuhe
die Schönste Germanin besitzt. Erst recht werden wir nicht darüber
reden, ob es vielleicht zu viele sind. Es reicht zu wissen,
dass wir Schuhe haben und dass sie in einen Schrank in den Flur
sollen.

„Schrank“ war die ursprüngliche Idee. Dann habe ich
unvorsichtigerweise laut darüber nachgedacht, ob wir nicht den Platz
in der Mitte der Treppe nutzen könnten, so vom Fußboden bis zur Decke.
Prima, sagte die Schönste Germanin, nur dann würde man die ganzen
unordentlichen Schuhe sehen. Und da sagt mein Mund, von ganz allein:
Machen wir den Schrank doch drehbar. Und auf die Rückseite kommt eine
Tafel.

Von da an wollte die Schönste Germanin über keine Alternative sprechen.

WSDHA sws SS01

Also haben wir aus unseren üblichen Leimholzbrettern eine Kiste
gebaut, Leisten an die Seiten geschraubt, um sie besser drehen zu
können, und alles weiß gestrichen — mehr schäbiges Weiß. Inzwischen ist das fast Routine.

WSDHA sws SS02

Probleme machte der Drehteller. Im Baumarkt hat man mich nur groß
angeguckt, als ich danach gefragt habe. Am Ende haben wir einen
Plastik-Drehtisch für einen Monitor genommen und mit doppelseitigem
Klebeband unter den Schrank befestigt. Klingt billig, aber hat den
Vorteil, dass wir ihn später ersetzen können, sollte er kaputtgehen.
Allerdings soll er 100 Kilogramm aushalten. Mich hält er aus. Damit
hätte ich wohl bewiesen, dass ich weniger als 100 Kilo wiege.

WSDHA sws SS03

Dumm nur: Der Schuhschrank ist natürlich kippgefährdet, was in einem
Haus mit zwei kleinen Kindern und einer Katze nicht gut ist. Wir haben
das Ding einfach an die Decke gekettet — nicht stabil genug, dass man
sich dranhängen könnte, aber es verhindert schon das Umkippen. Mehr
will man nicht.

WSDHA sws SS04
Schließlich die Tafelfarbe. Obwohl das Holz nicht völlig
glattgeschliffen wurde, funktioniert es wunderbar. Das größte Problem
ist bislang der Streit zwischen Kind Nummer Eins und Zwei, wer wann
auf dem unteren Drittel etwas malen darf.

Als Schuhschrank, und das ist das wichtigste, funktioniert es
wunderbar. Nur: Er ist jetzt schon wieder zu klein. Seltsam das.

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Neue Fliesen für Frau Stevenson – Teil 2: Die Lesegallerie im Gäste-WC /2013/08/neue-fliesen-fur-frau-stevenson-teil-2-die-lesegallerie-im-gaste-wc/ /2013/08/neue-fliesen-fur-frau-stevenson-teil-2-die-lesegallerie-im-gaste-wc/#comments Wed, 07 Aug 2013 11:58:53 +0000 /?p=6290 Lesen fortsetzen ]]> Nicht nur die Fliesen auf dem Fußboden im Erdgeschoss mussten bei der Familie Stevenson jetzt daran glauben. Die Erbauer des Hauses hatten an den Wänden im Gäste-WC rundherum einen Fliesenspiegel fast bis Nasenhöhe hochgezogen, warum auch immer. Während wir das für die Wand mit dem Waschbecken noch einsehen — wenn auch nicht ganz so hoch — haben wird die Fliesen auf der gegenüberliegenden Seite, die hinter der Tür, auch herunterhauen lassen.

Was für ein Schatz: Eine leere Wand!

 WSDHA sws WC 01

Ausgangslage: Leere Wand im Gäste-WC, frisch verputzt. Die Tür ist ausgehangen. Oben ist noch die alte Wandfarbe zu sehen. Die Stirnseite zeigt die neuen Fliesen.

Leere Wände sind in unserem Haus ein kostbares Gut, denn sie werden sofort von Bücherregalen, Bildern, Bücherregalen, Spiegeln oder, nun, Bücherregalen besetzt. In diesem Fall ist der Platz beim besten Willen für Bücher zu knapp. Trotzdem, das Thema Lesen bleibt, denn was tut man sonst auf dem WC?

Daher sind wir auf folgende Idee gekommen:

Die Wand ist gerade groß genug für neun Rahmen, die DIN-A4-Blätter fassen, angeordnet in drei Reihen und drei Spalten. Jedes Familienmitglied sucht sich je eine Seite aus zwei Büchern aus. Diese werden fotokopiert und in die Rahmen gesteckt, ohne weitere Erklärung oder Beschriftung. Jedes halbe Jahr oder so kann man die Auswahl ändern.

 WSDHA sws WC 02

Tapezierte und gestrichene Wand mit neun gedübelten Schrauben für die Rahmen. Erster Test mit einer schnellen Kopie aus Fight Club von Chuck Palahniuk — aber darüber dürfen wir nicht sprechen.

(Wer aufgepasst hat, wird jetzt stutzen: Vier Leute im Haus und je zwei Rahmen macht acht, nicht neun. Den letzten Rahmen haben wir für die Katze reserviert mit einer Seite aus Ich bin hier bloß die Katze von Hanna Johansen.)

Kind Nummer Eins und Zwei waren erstaunlich begeistert von der Idee. Insgesamt kam für die erste Runde folgende Auswahl zusammen, aufgelistet von links nach rechts und von oben nach unten. Der geneigte Leser mag selbst raten, was von wem stammt.

Neal Stephenson – Cryptonomicon

Diana Gabaldon – Outlander

Connie Willis – Doomsday Book

Nora Roberts – Valley of Silence

Dugald Steer – The Complete Book of Dragons

Joss Whedon – „The Origin“, Buffy Omnibus 1

Hanna Johansen – Ich bin hier bloß die Katze

Soman Chainani – The School of Good and Evil

Jutta Richter – Ich bin hier bloß der Hund

WSDHA sws WC 03

Fertige Gallerie, Tür ist für das Foto ausgehangen. Der große Leuchter trägt zum bewusst überdrehten Ambiente bei. Die passenden Gardinen fehlen noch — der Klopapierhalter übrigens auch

Das größte Problem bei der ganzen Aktion waren am Ende die Kopien: Es dauerte erstaunlich lange, um ein Gerät und eine Einstellung zu finden, die ein brauchbares Ergebnis ergaben. Möglicherweise wäre es geschickter, die Seiten einzuscannen, zu bearbeiten und dann auszudrucken.

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Vom Nylonstrumpf im Komposthaufen /2013/05/vom-nylonstrumpf-im-komposthaufen/ /2013/05/vom-nylonstrumpf-im-komposthaufen/#comments Tue, 14 May 2013 04:55:09 +0000 /?p=6055 Lesen fortsetzen ]]> Wir haben im Garten nicht nur einen Pädagogischen Gemüsegarten, sondern auch einen Pädagogischen Komposthaufen. Die Ziele sind ähnlich: Den Kiddies zeigen, wie die Natur funktioniert. Wenn etwas Sinnvolles dabei anfällt, nun, um so besser.

In diesem Jahr ist jede Menge Sinnvolles angefallen. 180 Liter Kompost-Erde, um genau zu sein, viel mehr als erwartet. Es ist nicht wirklich erstklassiger Kompost, denn dazu ist die schwarze Tonne zwischen den Tannen in der entfernten Ecke des Vordergartens zu klein. Das Material wird nicht warm genug, wir achten nicht genug auf die richtige Mischung und es gibt eine Neigung bei diversen Leuten, die nicht ich sind, einfach alles hineinzuwerfen, das irgendwie braun oder grün ist.

Der interessanteste Fund diesmal war ein Nylonstrumpf der Schönsten Germanin. Wie in aller Welt kommt er in den Kompost? Vermutlich fiel er von der Wäscheleine im hinteren Garden, geriet dort in den Blumenschnitt oder anderes Grünzeugs und wanderte von dort aus in die Tonne. Auf jeden Fall ist das die offizielle Version.

 

WSHDA sws KompostGewinnung des Komposts. Die Rohmasse wird durch einen Sieb geworfen. Was hängenbleibt, wird später wieder in den Haufen getan. Kein Foto vom Strumpf, denn es ist ein familientaugliches Blog.

Wie auch immer, der Haufen ist gut genug, dass man den Kindern jedes Jahr die vielen, vielen nützlichen Würmer zeigen kann. Außerdem ist es zum Ritual geworden, ihnen eine Handvoll Kompost unter die Nase zu halten mit den Worten „so riecht gute Erde“. Im nächsten Schritt kann man ihnen zeigen, wie viel besser das Wasser in dem Beet abläuft, das mit Kompost aufgefüllt wurde, als im normalen. Und schließlich wissen unsere Kinder jetzt noch etwas: Nylonstrümpfe sind nicht kompostierbar.

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Ein schäbiges Bett für die Schönste Germanin, Teil 2 /2013/04/ein-schabiges-bett-fur-die-schonste-germanin-teil-2/ /2013/04/ein-schabiges-bett-fur-die-schonste-germanin-teil-2/#comments Wed, 24 Apr 2013 12:49:02 +0000 /?p=5972 Lesen fortsetzen ]]> Im ersten Teil haben wie die drei Einzel-Module des Bettes im Stil des Shabby Chic vorgestellt. Danach wurden sie durch die Längstlatten verbunden:

WSDHA sws Bett 04

Beginn der Lattierung, Blick auf die Katakomben (bestimmt griechisch für „Kammern der Katze“) noch frei. Die Verkleidung am Kopfende ist bereits montiert.

Wichtig ist dabei, dass die Latten nicht mit der Verkleidung verschraubt werden (s. unten): Da Latten schon mal gerne kaputt gehen, müssen wir sie leicht ersetzen können. Den ersten Hüpf-und-Sprung-Test von Kind Nummer Zwei hat das Bett zwar überstanden, aber trotzdem haben wir gleich zwei Ersatzlatten gekauft. Wie im ersten Teil besprochen wird das Holz im Innenraum nur gestrichen, wenn sich die Katze beschwert.

Die Latten werden dabei nicht gleichmäßig eingezogen, sondern entsprechend der Belastung: In der Mitte der jeweiligen Betthälfte und am Rand, wo man aus- und einsteigt, sind sie enger. Damit soll eine möglichst gute Belüftung der Matratze von unten gewährleistet werden. Das Zimmer hat eine Fußbodenheizung.

WSDHA sws Bett 05

Fertige Lattierung, Verkleidung montiert, aber Schraubenköpfe noch nicht gestrichen. Man beachte die Lücken in der Verkleidung am Kopfende rechts und (schlechter zu erkennen) links.

Schließlich ist es Zeit für die Verkleidung, die aus vier Zwei-Meter-Brettern besteht, die außen herum montiert werden. Die Höhe ist etwas tricky: Zu niedrig, und die Matratzen rutschen über die Oberkante weg, zu hoch, und man haut beim Einstieg gegen die Kante. Nach einigen Tests haben wir uns für eine Kantenhöhe von acht Zentimeter entschieden, gemessen zu den Querbalken (nicht den Latten). Die Verkleidung wird dann an die Balken wie auch die Quaderfüße geschraubt.

(Mensch, wird sich jetzt der eine oder andere Leser denken, das sind ja viele Schrauben. Im Rahmen des Schäbigtums habe ich beschlossen, sie versuchsweise als Design-Element einzusetzen, in Anlehnung an die Nieten bei Flugzeugen. Der Erfolg ist eher begrenzt, empfehlen kann ich das nicht.)

Wer mitgedacht hat, wird jetzt stutzen. Die Matratzen sind zwei Meter lang und einen Meter breit. Damit ist die Liegefläche zwei mal zwei Meter. Entsprechend sind die Querbalken und die eigentlichen Latten auch zwei Meter lang. Und dann werden außen als Verkleidung zwei Meter lange Bretter verschraubt? Bleibt da nicht irgendwo eine Lücke?

Ja. Wenn man genau auf das zweite Bild schaut, sieht man besonders in der Ecke am rechten Kopfende eine Spalte. Das ist allerdings ein feature und kein bug: Eine noch nicht ausgestandene Diskussion im Hause Stevenson ist der Einsatz von Wärmeunterbetten, die zu deutlichen Energieersparnissen im Winter führen können. Die Lücken würden es erlauben, Kabel aus dem Bettkasten zur Seite herauszuführen, ohne dass sie über die Kanten laufen müssen. Falls wir uns mal einigen können.

WSDHA sws Bett 06

Fertiges Bett mit weißen Kopfkissenbezügen; Schraubenköpfe jetzt weiß gestrichen. Das Kopfende liegt unter der Dachschräge, was zusammen mit der dunklen Farbe sogar noch gemütlicher wirkt als erwartet. Normalerweise ist das Bett natürlich mit Quilts der Ehrenwerten Mutter bedeckt.

Wie sieht das Fazit aus? Vom Aussehen ist es vielleicht eher primitiv als schäbig. Etwas Verzierung hätte dem ganzen Objekt doch gut getan. Es gibt einen Grund, warum so viele Betten Pfosten an den Ecken haben. Dafür ist es in unserem Schlafzimmer allerdings schlicht zu eng. Das Bett ist insgesamt 70 cm hoch, was sich nicht nach viel anhört, bis man davor steht. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber man wird nicht jünger. Wegen der Latten liegt man wie erhofft sehr fest.

Was uns zum Wichtigsten führt: Wir schlafen sehr, sehr gut darin. Selbst mit zwei Kindern und einer Katze. Was will man mehr.

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Das Ende der Eimer /2013/04/das-ende-der-eimer/ /2013/04/das-ende-der-eimer/#respond Wed, 17 Apr 2013 18:38:21 +0000 /?p=5946 Lesen fortsetzen ]]> Vor zwei Jahren haben wir über die Eimer-Experimente im Hause Stevenson berichtet: Mittelgroße schwarze Kübel, die je ein Achtel Quadratmeter Mini-Garten bereitstellen. Im Zuge des erweiterten Gemüsegartens (Link zeigt noch Fotos mit den Eimern) werden sie jetzt nicht mehr gebraucht. Zeit für ein Fazit.

WSDHA sws Eimer 1 20130417

Möhren im Eimer. Müssen noch deutlich ausgedünnt werden.

Die wichtigste Erkenntnis ist die enorme Verbesserung der Bodenqualität durch Gründünger. Wir haben das sehr schnell im Pädagogischen Gemüsegarten umgesetzt, wo inzwischen nach der eigentlichen Ernte sofort Buchweizen (wenn es ganz schnell gehen muss) oder verschiedene Kleesorten (Inkarnat-Klee oder Rotklee) ausgestreut werden. Besonders bei Klee haben wir es geschafft, dass zum Winter eine so dichte Matte von Pflanzenmaterial auf der Oberfläche blieb, dass die Erde geschützt ist und es bis in den Frühling hinein praktisch kein Unkraut gibt. Allein dafür hat sich das Experiment gelohnt.

(Wer mehr über Gründünger wissen will und einige ungewohnte englische Vokabeln wie winterkill nicht scheut, kann sich mit einem kostenlosen Buch des US-Agrarministeriums schlauer machen. Die Empfehlungen lassen sich nicht eins-zu-eins auf Deutschland übertragen, schon allein weil die USA deutlich weiter südlich liegen als die Bundesrepublik. Die Grundprinzipien und der wissenschaftliche Hintergrund bleiben aber gleich.)

Die zweitwichtigste Erkenntnis ist, dass man durchaus einen Mini-Garten aus Kübeln aufbauen kann. Nur, es macht nicht wirklich Spaß. Zunächst muss man ständig gießen, auch wenn die Kübel draußen stehen — offenbar ist der Wurzelraum zu sehr eingeschränkt. Das begrenzt auch die Ernte bei größeren Pflanzen. Bei Kartoffeln haben wir als Faustregel gefunden, dass man bei selber Sorte und fast gleicher Lage in der selben Zeit eine halb so große Ernte einfährt wie im Freiland (gemessen am Gewicht). Kleinere Pflanzen wie Radieschen und Karotten sind dagegen kein Problem.

WSDHA sws Eimer 2 20130417

Kartoffel in Eimer. Um wenigstens etwas aufhäufen zu können, muss man die Erde am Anfang hoch auf den Seiten auftürmen.

Der Einsatz von Biokohle (biochar) in einigen Tonnen war zumindest nicht schädlich. Da die Idee, einen Vergleich zwischen Eimern mit und ohne den Zusatzstoff anzustellen, im Chaos des vergangenen Jahres verworfen werden müsste, können wir nicht wirklich mehr dazu sagen. Hintergrund zum Nutzen von Biokohle findet man online bei der International Biochar Initiative.

WSDHA sws Eimer 3 20130417

Dunkle, lockere und gut riechende Erde aus einem der Eimer.

Schließlich ein Wort zu Würmern, den Hilfstruppen im Gemüsegarten. Man muss sie natürlich per Hand in die Eimer setzen, was wegen des Pädagogischen Komposthaufens kein Problem war. Den Winter 2011/2012 überlebten offenbar keine Würmer, den vergangenen — der bei uns nicht besonders kalt, dafür aber ziemlich lang war — dagegen ziemlich viele.

Am Ende können wir die Eimerwirtschaft für Leute empfehlen, die keinen eigenen Garten haben oder Dinge ausprobieren wollen, ohne gleich in die laufende Produktion einzugreifen. Es ist wohl niemand überrascht, dass ein großer, echter Garten mehr Spaß macht und einen höheren Ertrag abwirft.

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Ein schäbiges Bett für die schönste Germanin, Teil 1 /2013/03/ein-schabiges-bett-fur-die-schonste-germanin-teil-1/ /2013/03/ein-schabiges-bett-fur-die-schonste-germanin-teil-1/#comments Fri, 22 Mar 2013 14:59:36 +0000 /?p=5850 Lesen fortsetzen ]]> Nach mehr als zehn Jahren wird es irgendwie doch langsam Zeit, eine neue Matratze zu kaufen. Und wenn man dabei ist, kann man auch gleich größere Matratzen holen, denn eine Breite, die als frisch verliebte Studenten noch ausreichte, ist inzwischen mit zwei Kindern und einer schwer wärmebedürftigen Katze schon mal etwas eng. Das wiederum erfordert ein neues Bettgestell. Nun würden normale Leute einfach rausgehen und sich eins kaufen. Aber wir haben festgestellt, dass uns die meisten Gestelle zu weich sind oder doof aussehen oder zu teuer sind (oder gleich alles drei). Daher haben wir uns entschieden, selbst eins zu bauen. Natürlich.

Die Schönste Germanin hatte sofort eine Idee, wie das Bett aussehen sollte: Auf dicken „Quadern“ an den Ecken sollte es stehen statt auf dünnen Beinen. Und vom Anstrich her schäbig.

Schäbig? Bitte?

Es stellt sich heraus, dass sie Shabby Chic meinte, eine Stilrichtung aus Großbritannien, bei der Möbel alt und gebraucht aussehen sollen. Offenbar ist das jetzt groß in Mode. Warum hat man mir das nicht vorher gesagt? Bislang habe ich immer versucht, meine Projekte nicht schäbig aussehen zu lassen.

WSDHA sws Bett 01

Der ursprüngliche Bauplan des Schäbigen Bettes. Die Höhe ist noch auf 50 cm veranschlagt und auch einige andere Maße sind später geändert worden. Die Flecken kommen daher, dass der Zettel zwischendurch in den Hausmüll landete, warum auch immer. Leider habe ich das erst gemerkt, nachdem ich das Altpapier durchsucht hatte.

In diesem Fall beschränkt sich die Stilrichtung darauf, dass wir das sichtbare Holz zuerst mit Acryl-Vorstrichfarbe und dann mit einer — und nur einer — Schicht von Acryl-Weißlack seidenmatt anstreichen. Der Hinweis auf das „sichtbare“ Holz ist wichtig, denn die eigentlichen Latten bleiben unbehandelt: Sieht eh nur die Katze und Farbe ist teuer.

Zu den Maßen: Die Matratzen sind je zwei mal ein Meter von der Fläche und etwa 25 cm hoch. Die Latten werden 40 cm über den Boden liegen, denn wir nutzen für die Quadern unsere beliebten Leimholz-Fichte-Bretter, die kostenlos im Baumarkt aus 80 x 40 cm Platten zu 50 x 40 cm zugeschnitten werden. Fünf Bretter 200 x 20 x 2,8 cm liegen quer und stehen an strategischen Stellen auf 8 x 8 x 40 cm dicken Pfosten, die man aber erstmal nicht sieht. Quer über die fünf dicken Bretter kommen die eigentlichen Latten, 200 x 8 x 1,8 cm. Schließlich werden die Matratzen von 200 x 20 x 1,7 cm Brettern umfasst, damit sie nicht herunterrutschen und alles ordentlicher aussieht.

WSDHA sws Bett 02

Alpha-Test der einzelnen Module. Das mittlere wird nur über die Latten mit dem Kopf- und Fußstücken verbunden sein.

Klingt alles einfach, schon allein weil wir nichts mehr zuschneiden müssen. Das erste Problem war ohnehin ein anderes: Das Schlafzimmer liegt im ersten Stock, der Werkraum im Keller. Daher muss das Bett in kleineren Modulen gebaut und gestrichen werden, bevor es hoch getragen wird. Ich werde zu alt für sowas.

WSDHA sws Bett 03

Das größte Einzelmodul, das Kopfteil. Hier sieht man, was mit den „Quaderfüßen“ gemeint ist. Im Hintergrund die Quader für das Fußende. Ist das schäbig genug?

Einige Leser mögen gestutzt haben, als sie von 40 cm hohen Seiten gelesen haben. Kommt man nicht auf eine ziemliche Höhe, wenn man noch etwa 25 cm Matratzenhöhe dazu addiert? Beileibe ja. Aber das sehen wir im nächsten Eintrag.

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Ein Arbeitszimmer für den Autor, Nachtrag: Der PC-Unterschrank /2013/01/ein-arbeitszimmer-fur-den-autor-nachtrag-der-pc-unterschrank/ /2013/01/ein-arbeitszimmer-fur-den-autor-nachtrag-der-pc-unterschrank/#comments Mon, 07 Jan 2013 08:45:08 +0000 /?p=5309 Lesen fortsetzen ]]> Es mag den einen oder anderen Leser verwundern, aber im Hause Stevenson gibt es einen PC. Das Ding wird nur gelegentlich für Spiele hochgefahren, deren Umsetzung auf OS X entweder fehlt oder so schlecht ist, dass man doch noch auf Windows zurückgreifen muss, wie Silent Hunter oder Civilization IV .

In der großen, glücklichen Rechnerfamilie im Hexenhaus ist dieser Computer das ungeliebte, radioaktive, mutierte Monster in Keller. Lange Zeit war nicht klar, ob wir ihn überhaupt behalten würden, weswegen er im Plan für das neue Arbeitszimmer nicht berücksichtigt wurde. Dummerweise stellte sich inzwischen heraus, dass es immer Flotten zu versenken und Weltreiche zu erobern gibt.

Nur, wohin mit dem Gerät? Unter die Tische kann er nicht verschwinden, denn das Gehäuse ist zu groß, die Wärme-Entwicklung zu stark und der Lärm zu laut. Ein neues Gehäuse kommt aus Kostengründen (und schon aus Prinzip) nicht infrage. Wie versteckt man so etwas? Erst ein Gespräch mit Kind Nummer Eins brachte die Lösung. Eines Tages versuchte ich ihr zu erklären, dass alte Technologie einen ganz eigenen Reiz hat und deswegen gerne als „retro“ zur Schau gestellt wird. Bestes Beispiel sei das warme Leuchten der Röhren in den alten Radios.

Schlagartig fiel mir damit die Lösung für den PC ein: Er gehört nicht versteckt, sondern im Gegenteil, er gehört ausgestellt! Schließlich sind drehende Lüfter und blinkende LEDs im Zeitalter von iPads und Chromebooks schon eine Rarität. Mit einem Q9550 als Prozessor ist die Maschine auch praktisch schon antik.

Entsprechend bauen wir heute einen weiteren, vierten Unterschrank für den Welteroberungstisch. Das Grundmuster bleibt erhalten, aber diesmal entfällt die Rückwand, damit die kalte Außenmauer bei der Kühlung helfen kann. Die Vorderseite wird mit Polycarbonat (ein durchsichtiger Kunststoff) verschlossen und oben kommt ein Lüftungsschlitz hin, der die aufsteigende Wärme in den Raum leitet. Heating by Intel!

WSDHA Computerkiste Bild 1

(Es wäre an dieser Stelle natürlich verlockend, tiefer ins Case Modding einzusteigen. Das könnte noch kommen — Kind Nummer Zwei zeigt eine gewisse Begeisterung für Lüfter mit blauen LEDs. Aber dafür haben wir im Moment nicht die Zeit.)

Vom Gehäuse entfernen wir alle Plastik-Teile, bis nur noch der Metall-Rahmen übrig ist. Die LEDs für Power und Festplattenzugriff kleben wir erstmal einfach ins Gehäuse, wo wir sie von außen sehen können. Die Schalter für Reset und Power lassen wir hinten/seitlich heraushängen, bis wir sie irgendwann durch einen Taster ersetzen können. Die Lüfter sind so eingebaut, dass sie die Luft nach oben blasen.

WSDHA Computerkiste Bild 2

Daher müssen wir in das obere Querregal auch ein Loch schneiden, das wir mit einem Lüftungsgitter abdecken. Rechts und links davon bleibt genug Platz für einen Mac Mini frei, sollte Apple irgendwann zur Besinnung kommen und wieder ein Modell mit einer eigenständigen GPU anbieten.

WSDHA Computerkiste Bild 3

Da wir dem antiquierten Gerät bei der Arbeit zuschauen wollen, wird die Vorderseite verglast. Nur, Glas können wir nicht benutzen, weil Kinder im Haus sind und sie mit Sicherheit früher oder später heftig dagegentreten werden. Damit bietet sich Polycarbonat für die Scheibe an, da es bruchsicher und gut zu verarbeiten, aber auch billig ist. Der Nachteil besteht darin, dass es leicht zerkratzt, aber damit können wir leben. Das Material lässt sich mit der Stichsäge zerschneiden.

WSDHA Computerkiste Bild 4

In der Kiste wird es bewusst nur mit wenigen Nägeln festgehalten, damit man sie nach einem aufgeregten Kindertritt wieder einsetzen kann. Das ist besser, als wenn der ganze Kasten umfliegt.

WSDHA Computerkiste Bild 5

Zuletzt noch ein Detail: Auf dem Boden kommt eine ein Zentimeter dicke Gummimatte, um die Schwingungen abzufangen, denn sonst wirkt das ganze Holz wie ein Resonanzkörper. Die Tastatur und Maus werden über USB-Verlängerungskabel auf den Schreibtisch gelegt.

WSDHA Computerkiste Bild 6

Und schon können die Schleichfahrten im Pazifik wieder aufgenommen werden.

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Alu-Barren als Laptop-Stützen /2012/07/alu-barren-als-laptop-stutzen/ /2012/07/alu-barren-als-laptop-stutzen/#comments Tue, 24 Jul 2012 08:21:45 +0000 /?p=4514 Lesen fortsetzen ]]> Wer sich das erste Bild im letzten Eintrag zum Umbau des Arbeitszimmers sehr genau anschaut, wird etwas Merkwürdiges bemerken: Der Laptop scheint auf irgendwas zu stehen. Tatsächlich ist der MacBook Pro auf zwei Holzstückchen aufgebockt um die Kühlung zu verbessern. Das ist natürlich furchtbar unelegant und nur eine Zwischenlösung. Heute stellen wir die stilvollere Variante vor.

Zuerst etwas Hintergrund. Das Gehäuse eines MacBook Pros dieser Generation wird aus einem Stück Aluminium gefräst, wie Apples Werbefilm zeigt. Das ist gut, denn Aluminium leitet Wärme wunderbar. Der Tisch ist dagegen aus Holz und dummerweise dämmt das. Schlimmer noch, das Holz ist lasiert und versiegelt und wir haben keine Ahnung, was ständige Wärme mit dieser Oberfläche anstellt.

Wir suchen also nach einer Möglichkeit, den Rechner aufzubocken, damit auch Luft von unten an das Gehäuse kommt. Und noch besser wäre es, wenn die Stützen selbst die Kühlfläche vergrößern würden.

Schauen wir uns die Wärmeleitfähigkeit verschiedener Stoffe an, scheiden Helium, Graphen und Kohlenstoffnanoröhren aus praktischen Gründen aus, während Diamant, Silber und Gold zu teuer sind. Berylliumoxid ist giftig und vermutlich auch nicht so leicht zu bekommen. Bleiben also so langweilige Metalle wie Kupfer, Aluminium und Eisen.

Kupfer leitet von diesen drei Stoffen am besten, aber wir wollen auch nicht herausfinden, ob es durch die Galvanik das Aluminium-Gehäuse zersetzt. Daher bleiben wir bei Aluminium.

Es stellt sich nun heraus, dass man im 21. Jahrhundert kleine Mengen Aluminium über das Internet bestellen kann, Profile in Varianten wie Vier- oder Sechskant, als T-Profile oder Viereckröhren. Weil der Rechner in einem Achteck steht, gefiel mir der Sechskant am besten. Für zwei Stück mit einem Durchmesser (von Seite-zu-Seite, nicht Eck-zu-Eck) von 3,6 cm und einer Länge von 20 cm habe ich mit Verpackung und Versand 30 Euro bezahlt.

Tatsächlich sind die Schnittkanten etwas scharf und mussten mit Schmirgelpapier leicht geschliffen werden. Die Oberfläche habe ich mit Stahlwolle abgerubbelt, geputzt und dann nach einigem Nachdenken nicht weiter poliert — sieht eh keine Sau unter dem Laptop und sonst würden die Fingerabdrücke nur noch stärker auffallen.

Damit das Metall nicht die Tischoberfläche zerkratzt und um das Problem mit der Wärme und der Lasur zu beseitigen, kleben wir unter jeden Block drei schwarze Filzgleiter. Selbst mit dem Gewicht des Rechners bleibt damit ein Abstand von etwa zwei Millimeter zwischen der Tischoberfläche und den Barren. Damit sieht es so aus, als würden sie schweben, was ein cooler Nebeneffekt ist.

In der Praxis funktioniert die Wärmeleitung unerwartet gut: Selbst im normalen Betrieb, ohne Lüfter, wird die linke Stütze so warm, dass man sie Abends statt einer Wärmflasche mit ins Bett nehmen könnte. Der Effekt ist derartig ausgeprägt, dass ich mir die Sache mit dem Vierkantrohr nochmal überlegen würde, weil die Oberfläche noch größer wäre. Bislang sind an der Unterseite des MacBooks keine Kratzer, was mir auch ehrlich gesagt egal wäre. Wer das nachmacht, handelt natürlich auf eigene Verantwortung.

Sollte jemand die Möglichkeit haben, den Aufbau mit Gold oder Diamanten auszuprobieren, bitte lasst es uns wissen. Mit Fotos, natürlich.

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Ein Arbeitszimmer für den Autor, Teil 23 – Fazit und abschließende Worte /2012/07/ein-arbeitszimmer-fur-den-autor-teil-22-fazit-und-abschliesende-worte/ /2012/07/ein-arbeitszimmer-fur-den-autor-teil-22-fazit-und-abschliesende-worte/#comments Tue, 17 Jul 2012 08:10:04 +0000 /?p=4479 Lesen fortsetzen ]]> Fertig! Nein, wirklich — gut, bis auf die Stelle an der Decke, die noch gestrichen werden muss, weil damals dort die Lampe hing; bis auf die Verkabelung der neuen Lampe, die im Moment zu stark auf Isolierband setzt; auf die Kisten mit Unterlagen, die noch in die richtigen Ordner einsortiert werden müssen; auf den Abschluss des Fußbodens zum Flur, der noch gebaut werden muss; auf die Kabel zum Kindertisch, die noch verstaut werden müssen … aber im Prinzip, faktisch, grundsätzlich ist das Zimmer so fertig, wie es jemals sein wird. Zeit für ein Fazit.

Was funktioniert hat

Zu meinem Erstaunen, nein, zu meiner Verblüffung ist am Ende mehr oder weniger alles so geworden wie geplant. An keiner Stelle musste irgendwas hoch- oder abgerissen, die Pläne grundlegend geändert oder etwas aufgegeben werden. So gesehen hat alles irgendwie funktioniert. Der beste Beweis dafür ist, dass die Schönste Germanin jetzt ständig am Schreibtisch im Keller sitzt, während sie dort früher nie war.

Wenn ich ein Element als besonderen Erfolg hervorheben sollte, wäre es der Sehr Große Tisch. Vergleichsweise einfach zu bauen, stabil und halt groß, hat es schon den ersten erfolgreichen Puzzle-Test mit dem Nachwuchs bestanden. Für eine etwas gepflegtere Verwendung — als Esstisch, zum Beispiel — bräuchte man härteres Holz und auch die Oberfläche müsste besser geglättet werden. Aber das wäre nur eine Fleißaufgabe. Einen solchen Tisch würde ich jederzeit wieder in Angriff nehmen.

Was nicht funktioniert hat

Wir ignorieren in diesem Abschnitt die Dinge, die nicht perfekt geworden sind, weil sie Teil eines Lernprozesses waren. Dabei steht an erster Stelle der Holzfußboden, der in seinen ersten Abschnitten (dummerweise direkt an der Tür) halt nicht so gut gelungen ist wie in den letzten (im Achteck). Bei solchen Dingen war immer geplant, ein gewisses “Lehrgeld” zu zahlen.

Das größte Problem ist der Schlitz im Utility Table, der auf den Fehler der premature optimization zurückzuführen ist. Erstmal steht der Drucker darüber — auf Jahre übrigens. Überhaupt macht der kleinste Tisch die größten Probleme, denn die Fugenverbindung zwischen den Brettern ist leicht aufgebrochen. Offenbar wird die Last der Regale nicht richtig abgefangen.

Weiter: Bei der Oberflächenbehandlung haben die beiden Schichten Klarlack absolut nicht ausgereicht an den stark belasteten Kanten des Welteroberungstisches.

Im Laufe des Jahres — wenn es irgendwann trocken genug werden sollte, um richtig zu lüften — werde ich die Tische alle freiräumen, säubern, die Lasur nachbessern und dann die Oberfläche neu versiegeln. Ich hatte zwischendurch überlegt, die Kanten mit Metallleisten aus Messing zu bewehren, schrecke aber wegen der Winkel am Welteroberungstisch und meinem völligen Unwissen über die grundlegendsten Handgriffe bei der Metallverarbeitung davon ab.

Und dann wäre da noch der Welteroberungstisch selbst.

Der Welteroberungstisch als Weißer Wal

Mit dem bin ich, wie bereits angedeutet, am wenigsten zufrieden; wir haben auch schon über Alternativen gesprochen. Zwar funktioniert er als Tisch tadellos — er ist flach und man kann Dinge darauf stellen — und erfahrungsgemäß fallen die Probleme Besuchern nicht weit auf. Aber nur, weil ich die klaffenden Spalten mit großen Mengen von Sägespänen verschlossen und dann das Ganze unter Lasur und Lack begraben habe. Hier bin ich schlicht an meine Grenzen gestoßen, erstmal zumindest: Zu ungenau gemessen, zu ungenau geschnitten, die Elemente nach der falschen Strategie montiert.

Trotzdem, ich bin froh, dass ich es versucht habe. Die Vorstellung von einem Tisch, der das Achteck rundherum ausfüllt, verfolgt mich seitdem wir eingezogen sind. Allein für meinen Seelenfrieden musste ich es probieren. Ja, es drängen sich gewisse Parallelen zu Moby Dick auf, denn manchmal muss ein Mann … und so weiter. Besser so als sich das restliche Leben zu fragen, wie es denn gewesen wäre.

Was ich anders machen würde

Vor dem nächsten Projekt dieser Größe würde ich mir eine gute Tischkreissäge besorgen. Zwar ging es recht gut mit den Handsägen, hauptsächlich einer Stichsäge, aber es wäre wesentlich einfacher und genauer mit dem richtigen Werkzeug geworden.

Ich würde auch zögern, nochmal einen Holzfußboden selbst zu verlegen. Nicht weil dieser so misslungen wäre, sondern weil es unfassbar viel Arbeit ist.

Was man noch wissen muss

Trotz dieser Anstrengungen, den ganzen gerauften Haaren und einzelnen Enttäuschungen war das ganze Projekt für mich in gewisser Weise wie ein langgezogener Urlaub. Für die restliche Familie war es, äh, nicht ganz so erholsam. Die Hauptbauzeit dürfte sechs Monate betragen haben. Während dieser Zeit war ich hauptsächlich im Keller, wenn nicht körperlich, dann geistig.

Ohne die Unterstützung der Familie geht so etwas nicht. Ich habe das große Glück, dass die Schönste Germanin ein erstaunliches Verständnis für meine Neigung hat, Dinge mit einer gewissen Besessenheit zu machen, und daher gebührt ihr der größte Dank. Wer so einen Umbau in Angriff nimmt, sollte sich vorher seines Rückhaltes sehr sicher sein.

Am Ende: Was it all worth it?

Schauen wir uns nochmal den ersten Eintrag der Serie an und holen uns das Bild von dem Teil des Zimmers heraus, wo heute der Welteroberungstisch steht:

Stilistisch ist das wohl keine Frage und von der Funktionalität auch nicht. Und schließlich gibt es den wirklich wichtigen Grund: Etwas aus der Vorstellung wirklich werden zu lassen, ist immer befriedigend, um nicht sagen, ein Rausch.

(Diese Reihe ist meinem Vater Dr. Douglas K. Stevenson gewidmet)

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