Tommi Tulpe – Wie sieht's denn hier aus? / Eigensinnig unperfekt zwischen Stadt und Land. Wed, 15 Aug 2012 18:32:51 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.1 Über Schläuche /2012/08/uber-schlauche/ /2012/08/uber-schlauche/#comments Wed, 15 Aug 2012 18:32:51 +0000 /?p=1080 Lesen fortsetzen ]]> Der Gartenschlauch ist ein gutes Beispiel für ein low interest Produkt.
Man weiß, dass man es braucht. Man kauft es irgendwann, ohne groß nachzudenken, besitzt es und gut. Werbung oder Markenimage spielen eine Nebenrolle. Auch das Design ist bei einem Schlauch eher sekundär.
Diese Eigenschaft teilt der schlanke Wasserträger mit Kollegen wie Türstoppern, Pfannenwendern oder Schnürsenkeln. Ich finde sie alle hätten ein klein wenig mehr Aufmerksamkeit für den Job, den sie machen, verdient. Nebenbei bemerkt, die Bergarbeiterschnürsenkel von dem Versandhandel, der mit M anfängt sind wirklich top. Einfach unverwüstlich, auch im Baustellenalltag. Wenn ein paar Stahlkappenschuhe verschlissen ist, nehme ich diese Schnürsenkel raus und hebe sie für den nächsten Einsatz auf. Doch zurück zu den Schläuchen.

Als Gartenberater achtet man natürlich auch auf Gartengeräte, die die Kunden besitzen. Man möchte ja helfen. Was den mobilen Wassertransport angeht, ist in 95% der Fälle ein Halbzollschlauch mit Kupplungen, Hahnstücken und Sprühdüsen eines namhaften Ulmer Herstellers, der mit ardena aufhört (oder noch billigere Kopien davon) im Einsatz. Mein Innenleben bei diesem Anblick entspricht vermutlich dem, was der Koch fühlt, wenn er Menschen mit einem Buttermesser Filets parieren sieht. Nicht die G-Firma, der Dünnling ist das Problem.

Natürlich ist ein Halbzollschlauch im Baumarkt verlockend. Er sieht genauso aus wie das dickere Dreiviertelzollpendant, kostet aber nur etwas mehr als die Hälfte. Diese Relation spiegelt sich jedoch auch in der Leistungsfähigleit wider. Sprich: es passt auch nur die Hälfte an Wasser hindurch. Bei Fernsehern, Dunstabzugshauben und Kraftfahrzeugen ist doch schon lange ein Trend hin zu XL spürbar. Warum, um Gottes Willen, nicht beim Gartenschlauch?
Ich träume schon ganz lange davon, etwas los zu werden und bin Sabine und Simone ausgesprochen dankbar, dass sie mir an dieser Stelle die Gelegenheit dazu geben.
Dieser Satz lautet:

LEUTE, WENN IHR IM GARTEN NACHHALTIG ERFOLG UND FREUDE ERLEBEN WOLLT, DANN BRAUCHT IHR EINEN ¾ ZOLL-SCHLAUCH UND EINEN GIESSSTAB.

So das war´s, danke.

Im Ernst, durch diese Utensilien erhält jede Pflanze in der gegebenen Zeiteinheit die doppelte und somit die richtige Wassermenge. Der Gießstab produziert einen samtig weichen Wasserstrahl, der mit natürlichem Regen vergleichbar ist, ungefähr so wie eine Gießkanne. Wenn man dann noch mit Regenwasser aus der Zisterne gießen kann, führt man seine Pflanzen vermutlich zu den höchsten Wonnen. Bei mir kriegen die Kunden, die einen Garten über 50.000,- Euro (netto) beauftragen zum Abschluss des Projekts immer einen Gießstab geschenkt. Einer dieser Kunden, sagte ein paar Wochen später zu mir: „… allein für den Gießstab hat sich der Garten schon gelohnt.“ (Ende des Zitats). Das sind die Momente, die gut tun.

Übrigens gibt es die Anschlüsse des bekannten Ulmer Herstellers inzwischen auch in einer absoluten Profiqualität aus Edelstahl. Von der Fa. GEKA, die in Gärtnerkreisen aufgrund Ihrer legendären Klauenkupplungen fast abgöttisch verehrt wird. Genau so wie Schläuche der Marke „Goldschlange“. Man kennt Sie aus dem Katalog der mit M anfängt. Beide Produkte sind wirklich über Generationen vererbbar.
Für unsere Zwecke jedoch, reicht der übliche gelbe Schlauch völlig aus. Der ist Industriestandard und dadurch auch auf sehr hohem Qualitätsniveau genormt. Nur eben die Dicke, ¾ Zoll wie gesagt. Man würde sich doch mit einem 42er Fuß auch keinen 39er Schuh kaufen, oder?

Bilder: Wikipedia

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Obstgehölze schneiden 1,2 und 3 – die Theorie in Frage und Antwort /2012/03/obstgeholze-schneiden-12-und-3-die-theorie-in-frage-und-antwort/ /2012/03/obstgeholze-schneiden-12-und-3-die-theorie-in-frage-und-antwort/#comments Mon, 05 Mar 2012 08:37:02 +0000 /?p=3691 Lesen fortsetzen ]]> Oft gehört: die erste Frage verunsicherter Gartenbesitzer im Winter: „Müssten die Obstbäume nicht beschnitten werden?“

Fakt ist: im Erwerbsobstbau werden Obstbäume regelmäßig, d.h. jährlich, geschnittenDort natürlich vor allem, um eine bestimmte marktfähige Fruchtqualität zu erzielen, aber auch damit Pflege und Ernte rationell möglich sind. Ästhetik spielt in der Produktion nur eine untergeordnete Rolle.

Aber was würde passieeren, wenn man die Bäume gänzlich unbeschnitten lassen würde?

Ein wilder oder unbeschnittener Apfelbaum entwickelt sich zu einem regelrechten Biotop für nützliche und schädliche Arten. Mit Arten können gemeint sein: Moose, Flechten, Pflanzen (Mispel!), Schmetterlinge und Käfer (das sind dann eher die Schädlinge), Vögel (Wiedehopf!) und Säugetiere (Siebenschläfer!).

Ohne Rückschnitt wird ein Apfelbaum mit den Jahren so dicht, dass man kaum mehr hindurch schauen kann. Äste brechen unter der Last der Früchte herunter und Löcher entstehen im Stamm. So ein Streuobstbaum ist ökologisch sehr sinnvoll und in der Landschaft schön azuschauen. Im Garten wollen die wenigsten Menschen so einen wilden Baum.

Wie soll der Baum denn dann beschnitten werden?

Ein Gartenazubi lernt in seiner Ausbildung: ein Obstbaum sollte so beschnitten werden, dass man einen Hut zwischen den Zweigen hindurch werfen kann. Das bedeutet, es muss viel Luft zwischen dem Astwerk sein.

Wozu dieser starke Rückschnitt?

Dazu ein kleiner Exkurs in die Welt des Weins:

Im deutschen Weinbau vollzog sich in den Neunzigerjahren eine Wende. Man änderte die Schnittmethode hin zu mehr Qualität. Das geht so: die gepflegte Ertragsweinrebe besteht aus einem alten, dick verknorzten Stock, aus dem jedes Jahr neue, schlanke, junge Triebe hervorspriessen, welche dann später auch die Trauben tragen. Weinreben werden jedes Jahr im Winter kräftig zurück geschnitten um den Austrieb junger Ruten zu fördern, die im folgenden Sommer blühen und fruchten können. Denn das alte Holz kann das nicht.

Die Winzer, die eher Massenweine keltern, lassen bei ihrem winterlichen Rebschnitt zwei Ruten mit ca. 50-75 cm Länge stehen. Jene Weingärtner die auf hohe Qualität hinaus wollen, belassen dagegen nur eine einzige Rute am Stock. Diese erzeugt am Ende natürlich wesentlich weniger Blüten und somit weniger Ertrag, dafür aber eine bessere Mostqualität und somit besseren Wein.

Hieraus kann man drei Regeln ableiten:

  • starker Rückschnitt fördert starkes neues Wachstum
  • starker Rückschnitt fördert die Qualität des Ernteertrags, verringert aber dessen Menge
  • bei Pflanzen, die am einjährigen Trieb blühen (Wein, Rosen, Schmetterlingsstrauch usw.) kann man sehr stark ins alte Holz zurückschneiden, um junge blühfähige Triebe zu fördern (Obstbäume dagegen blühen am mehrjährigen Holz und müssen daher etwas vorsichtiger geschnitten werden. Aber auch bei ihnen gilt: weniger Blüten=weniger Früchte=bessere Qualität)

Hinzu kommt, dass gezüchtete Obstgehölze wesentlich schwerere Früchte tragen, als das entsprechende Wildobst. Ein ungeschnittener Kulturbaum kann unter seiner Fruchtlast zusammenbrechen. Früher war es deshalb auf dem Land üblich, dass man die Äste im Sommer mit Stangen abgestützt hat, um das Abbrechen zu verhindern.

Sieht so ein gestutzter Baum noch schön aus?

Im Garten ist es tatsächlich so, dass eine Pflanze oft mehr den ästhetischen Ansprüchen genügen muss. Wenn wir uns ein teures Spalierobstbäumchen kaufen und mit Mühe einpflanzen, dann soll es gefälligst auch seine hübsche symetrische Form behalten. Im Garten wird man dadurch zu einer Art Bildhauer am Baum. Das heißt, es muss alles weg, was nicht nach 1a Musterbaum aussieht. Dabei ist Schnitt nur eine Möglichkeit von vielen. Man kann fehlgeleitete Zweige auch zurecht biegen und mit Bambusstäben und Kunststoffbindern fixieren. So werden ja auch Pflanzen in der Baumschule erzogen.

Wie mach ich das, dass der Baum schön geschnitten aussieht?

In jedem Fall bedarf es einer gewissen eigenen Vorstellung davon, wie der zu bearbeitende Baum sich weiter entwickeln sollte. Diese Vorstellung sollte auch berücksichtigen, was der Baum von Natur aus kann und was nicht. Dazu braucht es Wissen, Erfahrung und etwas Übung. Alles Dinge, die man sich aneignen kann. Oft ist sich der Gartenneuling zu unsicher, den ersten Schnitt zu wagen. Dann könnte es eine gute Alternative sein, sich die Sache einmal von einem Fachmann zeigen zu lassen oder ein Kurs bei der Volkshochschule zu belegen. Auch im Internet existieren Obstbaumschnittanleitungen. Dort werden aber schon einige Fachkenntnisse vorausgesetzt.

Grundsätzlich sollte der ideal geschnittene Baum nach dem Schnitt eine dreieckige Form haben (Pyramidenform), deren Spitze nach oben zeigt. Und wie gesagt, ein Hut sollte zwischen den Ästen hindurch passen.

Wie schneide ich Säulenobst?

Säulenobst ist ganz leicht zu schneiden. Hier kann man sich die einfache Regel merken, dass jeder Ast, der dicker als ein Daumen ist, direkt am Stamm abgeschnitten wird (so erhält man die Säulenform). Mein Tipp: aus Säulenobstbäumen kann man auch auf kleiner Fläche eine tolle Obsthecke mit ganz verschiedenen Fruchtbäumen anpflanzen. Nur gut besonnt sollte die Hecke sein.

Schneidet man Äpfel und Kirschen gleich?

Der Gartenbesitzer sollte wissen, welche Art von Obst er vor sich hat. Grundsätzlich unterteilt man Kern- und Steinobst.

Kernobstarten sind Apfel, Birne, Quitte und einige Exoten wie Nashi, Mispel und Apfelbeere.

Zum Steinobst gehören Kirschen, Pflaumen, Reneclauden und Zwetschgen, Mirabellen, Aprikose, Pfirsich und Mandel.

Für das Steinobst empfiehlt sich eher der Sommerschnitt und man sollte etwas Mühe auf die Desinfektion der Schnittwerkzeuge verwenden. Im Sommer verringert sich die Gefahr von Infektionen und die Wunden heilen schneller, weil der Stoffwechsel der Pflanze aktiv ist.

Steinobst ist schwieriger zu bearbeiten. Kirschen haben oft einen sparrigen und ausladenden Kronenaufbau. So dass der Rückschnitt hier vor allem die Krone klein und die Früchte erreichbar halten soll.

Kernobst ist allgemein etwas unempfindlicher gegen Infektionen und die Wunden heilen besser. Hier ist der Winterschnitt überhaupt kein Problem.

Ich habe gehört man unterscheidet Wasserschosse und Lang- bzw. Kurztriebe?

An Obstbäumen können Lang- und Kurztriebe klar voneinander unterschieden werden.

Langtriebe sind neu gebildete Zweige, die im nächsten Jahr meistens nur Blätter bilden werden. Die Blattknospen sind kleiner und weiter voneinander entfernt. Solche Triebe werden in der Regel auf zwei bis drei Augen eingekürzt, um eine Bildung von blühwilligem Holz anzuregen. Was dann aber erst im Folgejahr geschieht. D.h. der Schnitt ist immer auf längere Zeitintervalle ausgerichtet. Wichtig ist, zu schauen, dass die letzte stehen bleibende Knospe vor der geplanten Schnittstelle in die Richtung zeigt, in die sich ich die Pflanze weiter entwickeln kann. Dadurch kann ich steuern wohin die Pflanze wachsen soll – z.B. weg vom Nachbarn, weg vom Haus, hin zum Licht usw. Das ist dann wieder die Sache mit der Vorstellung.

Langtriebe, die an ganz unmöglichen Stellen (direkt am Stamm/ins Pflanzeninnere hinein/über Kreuz etc.) wachsen, nennt man Wasserschosse. Wasserschosse schneidet man möglichst gänzlich ab.

Kurztriebe kann man identifizieren, indem man sich merkt oder ins Gedächtnis ruft wo die Blüten und die Früchte waren. Im Winter sitzen dort dickere Knospen an kurzen Zweigen ganz eng beieinander. Sie werden im kommenden Frühjahr zu Blüten. Deshalb sollte man vorsichtig mit Ihnen umgehen. Trotzdem kann es nötig werden auch Kurztriebe zu reduzieren. Denn bei älteren Bäumen kehrt sich das Verhältnis zwischen Lang- und Kurztrieben oft um. Sprich: beim Jungbaum bilden sich mehr Langtriebe – er will ja noch wachsen und beim Altbaum spielt das Geschlechtliche eine größere Rolle – er will sich vermehren und bildet Kurztriebe. Die Folge: es sind zuviele Früchte am älteren Baum. Dann müssen Kurztriebe weg.

Mein Obstbaum trägt in einem Jahr sehr viel und im nächsten wenig. Kann man das beeinflussen?

Diesen Fruchtrhythmus nennt man Alternanz. Damit wird im Obstbau, die natürliche Schwankung des Ertrags im Zweijahresrhythmus bezeichnet. Nach ertragsstarken Jahren folgen meist ertragsschwache usw. Hier kann man durch Reduktion oder Förderung der Kurztriebe gegensteuern. Also nach guten Erträgen nur wenige Kurztriebe wegnehmen und Langtriebe stehen lassen (evtl. die Langtriebe nach unten biegen und fixieren um die Blütenbildung für das übernächste Jahr zu induzieren).

Nach schlechen Erträgen mehr Kurztriebe wegnehmen und Langtriebe einkürzen (damit im übernächsten Jahr dort Blütenknospen gebildet werden).

Was mache ich, wenn der Obstbaum zu groß wird?

Das ist letztlich eine Frage der Veredelung. Für den normalen mitteleuropäischen Hausgarten sollte man schon beim Pflanzenkauf auf schwachwachsend veredelte Bäume zurück greifen, die als Busch, Spindel (Säule) oder Spalier angeboten werden.

Ein radikaler Rückschnitt bei einem stark wachsenden Baum ist immer ein extremer Eingriff, der Schaden anrichten kann. Deshalb finde ich es besser, sehr starke Schnittmaßnahmen über mehrere Jahre zu verteilen.

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Der Garten im Winter oder Das Brot /2012/01/der-garten-im-winter-oder-das-brot/ /2012/01/der-garten-im-winter-oder-das-brot/#comments Wed, 18 Jan 2012 13:14:24 +0000 /?p=3347 Lesen fortsetzen ]]>
Bild: Chixoy via Wikipedia
Selbstverständlich gibt es auch im Winter im Garten jede Menge zu tun.
Zum Beispiel:
Bäume und Sträucher schneiden
Werkzeuge pflegen
Aufräumen
Lang aufgeschobene Reparaturen an Zäunen, Lauben, Gewächshäusern durchführen
Pläne für´s Frühjahr machen
Usw.

Man kann auch veredeln, mulchen, Samen ernten und archivieren, Nistkästen säubern oder Bewässerungsleitungen entleeren, solange der Boden nicht gefroren ist, gar kein Problem. Bei offenem Wetter ist der Winter eine brauchbare Jahreszeit um Gehölze zu translozieren. Denn es herrscht Vegetationsruhe und die grünen Zöglinge kriegen in ihrem Winterschlaf vermutlich kaum etwas mit.
Frost ist auch das entscheidende Kriterium, wenn es darum geht Unebenheiten in Pflaster und Rasen auszugleichen oder den Kompost umzuschichten. Bei Minustemperaturen macht sich das alles entsprechend schlecht. Dann bleibt nur Bäume und Sträucher schneiden, Werkzeuge pflegen, Aufräumen und lang aufgeschobene Reparaturen erledigen. Insgesamt gesehen ist Winter nicht die Jahreszeit, in der man sich als Gärtner gänzlich verwirklichen kann. Manche Kollegen behelfen sich indem sie Streu- und Räumdienste anbieten.

Ich bin ehrlich gesagt im Winter auch lieber drin und einfach mal etwas fauler als sonst. Anstatt mich jetzt und hier über die Metaphysik des Gehölzschnitts auszubreiten, würde ich lieber eine neue kulinarische Errungenschaft vorstellen: Das Brot! Bislang war Brotbacken für mich, vom Ergebnis her betrachtet, immer ein „aber es ist selbst gemacht“-Erlebnis. Was heißen soll, es sah einfach nicht so gut aus wie vom Bäcker und schmeckte auch eher mittel. Das Brot! ist anders.

Auf das Brot! bin ich durch den Blog www.esskultur.at aufmerksam geworden. Das Brot! ist eine Abwandlung des im angelsächsischen bekannten no-kneat-bread (also Brot ohne Kneten). Das Rezept zog mich gleich magisch an. Gerade weil in so vielen überkommenen Backanleitungen immer größtmöglicher Wert auf das Wie, Wieoft, Wielange und Wozu des Teigknetens philosophiert wird, war die Aussicht ein Brot ganz ohne Kneten backen zu können einfach unwiderstehlich.

Was soll ich sagen? Das Ergebnis war optisch, geschmacklich und überhaupt so überwältigend, dass ich jetzt mindestens eins pro Woche backen möchte und die Brote vom Bäcker dagegen irgendwie ziemlich alt aussehen und schmecken. Das Brot! hat so eine Kruste wie man sie aus den französischen Boulangerien kennt, die so fein knistert wie bei einer ofenfrischen französischen Baguette. Und es schmeckt nur wunderbar.

Wie geht´s?
Man braucht eine recht große Schüssel. Dort hinein kommen 850 g Mehl (es kann und sollte einfachstes Weizenmehl Typ 550 sein), ein halber Hefewürfel oder ein halbes Päckchen Trockenhefe, knapp 700 ml Wasser und 3 TL Salz. Alles schnell verrühren und erstmal über Nacht zugedeckt stehen lassen.
Der hohe Wasseranteil macht den Teig geschmeidig, sodass das Rühren wirklich leicht geht. Die lange Teigruhe ist ebenfalls ganz entspannend.

Nach 18 Stunden den Teig mit Mehl und Schaber aus der Schüssel lösen, auf bemehltes Backpapier bugsieren und abgedeckt weitere zwei Stunden gehen lassen. Zwischenzeitlich einen Bräter ohne Plastikgriffe oder andere hitzeempfindliche Teile aber mit Deckel im Backofen bei 250° vorheizen. Wenn die volle Hitze erreicht ist, Bräter raus, Teig in den Bräter, Deckel drauf und wieder ins Rohr. Nach einer halben Stunde Backzeit den Deckel abnehmen und je nach Zustand der Kruste geöffnet noch ca. weitere 15 Minuten zu Ende backen.

Das Geheimnis der Kruste ist das schnelle Backen bei großer Hitze im Topf, das durch den hohen Wassergehalt des Teigs wie Dampfbacken funktioniert. Durch die lange Gare entstehen große Blasen, wie man sie von französischen Backwaren kennt und das Brot! hat obgleich es aus Weizenmehl hergestellt ist eine ganz herzhafte Note von Sauerteig.

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Pflanzen (fast) ohne Fehl und Tadel – die Fette Henne /2011/10/pflanzen-fast-ohne-fehl-und-tadel-die-fette-henne/ /2011/10/pflanzen-fast-ohne-fehl-und-tadel-die-fette-henne/#respond Tue, 11 Oct 2011 16:26:10 +0000 /?p=2422 Lesen fortsetzen ]]> Wie schon angekündigt, hier also mein besonderer Liebling: Denn die Königin der Herbstschönen, ist mir die Fette Henne und speziell die Sorte „Herbstfreude“, die ihrem Namen viel mehr als nur Ehre macht. Sie übertrifft ihn vielfach, denn die Freude währt vom Frühling bis in den Winter hinein. Wirklich schlecht sieht diese Staude eigentlich nie aus.

Im Frühjahr schieben sich die keimenden Triebe wie blaugraue Kugelknöpfe dicht an dicht aus dem Stock heraus. Bis zum Sommerbeginn entfalten sie sich ganz gediegen und ohne Hast zu graugrünen, dickfleischig gezahnten Blättern und der Stängel reckt sich. Die Pflanze wirkt in diesem Stadium insgesamt sehr ordentlich fast geometrisch und aufgeräumt. Sie schafft dadurch eine angenehme Struktur im Beet, die gut mit fein gegliederten Pflanzen wie genauso wie mit Gräsern harmoniert.

Erst im Hochsommer kommen die doldigen Blütenköpfe wie blasse Miniaturbrokkoli ans Licht. Bis zum Herbst wachsen sie, dehnen sich aus und gewinnen langsam Farbe. Ist es Anfang September noch ein Anflug in blass rosé, wird es eine Woche später ein rötliches Schimmern, das sich bis Oktober in leuchtendes Inkarnatrosa verwandelt. Für mich die schönste Farbe ist das dunkle Braunrot der Dolden im Abblühen, das im November das Ende des Herbstes und den Beginn des Winters ankündigt. Wie bei den Gräsern kann man die fast schwarzen Samenstände der Fetthenne dann den Winter über stehen lassen. Im zeitigen Frühjahr lassen sie sich umso leichter entfernen und mancher Ohrkneifer kann zwischenzeitlich in den hohlen Stängeln gemütlich überwintern, um dann im kommenden Frühjahr gleich wieder Jagd auf Blattläuse zu machen (wahrscheinlich wohnt die Minierfliege gleich im Nachbarstängel).

Apropos Schädlinge, die wird man an der Fetthenne kaum finden. Im Gegensatz zu uns Menschen meiden selbst Schnecken diese Pflanze ganz konsequent. Echte Krankheiten gibt es außer der gelegentlich auftretenden Minierfliege auch nicht. Der Befall mit den im Blattinneren wohnenden Maden hält sich denn auch in tolerablen Grenzen. Mir gefällt die Vorstellung, dass sich die Tierchen eine kleine Wohnung in das dicke Blatt fressen. Das hat was von Schlaraffenland.

Fette Hennen mögen allgenein gern viel Sonne, in gewissen Grenzen auch Trockenheit und magere Böden. Heftige Regenfälle, während der späten Blütezeit nicht allzu selten, stecken sie ebenso klaglos weg. Zu gute Lebensbedingungen (fetter Boden, Düngung) quittieren sie mit einer gewissen Opulenz, die dann zum Auseinanderfallen der Horste im Spätjahr führen kann.

Was die Herbstfreude ganz besonders macht, ist ihre Ausdauer im Beet. Sie wird über die Jahre nur schöner, ohne zu wuchern. Da verkahlt nix und es gibt kaum Fehlstellen. Durch ihre leichte Vermehrbarkeit, kann man leicht große Flächen mit ihr gestalten. Meistens bricht man im Vorfrühling beim Entfernen der alten Stängel sowieso einige bewurzelte Knospen heraus, die, an anderer Stelle in die Erde gesteckt, neue Pflanzen bilden. So kennt man das von anderen Sukkulenten auch. Die Fetthenne wirkt im Grunde umso besser, je einheitlicher sie verwendet wird. Man sollte es wirklich mal probieren sie in Monokultur auf größerer Fläche anzubauen, wie Oehme und Van Sweden es vorgegärtnert haben. Eine gute Gemeinschaft für die Fetthenne sind alle Pflanzen die ebenfalls Sonne und eine gewisse Trockenheit gut finden. Ich denke an Zwergaster, Gräser, Lavendel, Dost, die schon erwähnten Verbena bonariensis (die ganz doll Schmetterlinge anzieht – wir haben kürzlich einen seltenen Perlmutterfalter auf ihr beobachtet), Echinacea purpurea „Alba“ aber auch Bergenie, Thymian oder Spornblume. Zwiebeln wie Tulpen oder Zierlauch sind ebenfalls perfekte Mitspieler.

 
Gezüchtet wurde die Herbstfreude übrigens im Jahr 1955 von der unter Pflanzenfreunden ziemlich renomierten Staudengärtnerei Georg Arends, die auch heute noch in Wuppertal existiert. Aufgrund ihrer vorzüglichen Eigenschaften wird die Herbstfreude oder „Autumn Joy“ auch in angelsächsischen Gärten seit langem überaus geschätzt und erhielt 1993 den Award of Garden Merrit der Royal Horticultural Society – sozusagen den Pflanzenoskar
 

PS: Den Titel des aktuell amtierenden Königs der herbstschönen Gärten, würde ich an dieser Stelle dem Niederländer Piet Oudolf zuerkennen. Piet hätte sich eigentlich schon mindestens zwei Gartenoskars für sein Lebenswerk verdient. Unter vielen anderen wunderschönen Gärten hat er sich auch die zukunftsweisende Bepflanzung der New Yorker Highline ausgedacht und dort die Fette Henne in den rotlaubigen Sorten „Matrona“ und „Red Cauli“ verwendet. Well done!

 

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Es herbstet sehr – auch im Garten /2011/09/es-herbstet-sehr-auch-im-garten/ /2011/09/es-herbstet-sehr-auch-im-garten/#respond Tue, 20 Sep 2011 15:00:32 +0000 /?p=2410 Lesen fortsetzen ]]> Kann man Jahreszeiten überhaupt miteinander vergleichen? Frühling und Herbst zum Beispiel, oder sind das Birnen und Äpfel?

Im Garten ist es für die Planungen zur Peublierung verlassener Landstriche gar nicht schlecht sich die jahreszeitliche Abfolge und den jeweiligen Charakter der Blühwilligen einmal ins Gedächtnis zu rufen. Dadurch kommt man zu einer sinnvolleren räumlichen Anordnung im Beet. Das Ziel ist ja, zu jeder Jahreszeit einen möglichst optimalen optischen Eindruck zu erwecken.

Der Frühling lebt von seinem jugendlichen Überschwang: grandios, heftig und so blitzeschnell wieder vorbei, dass man sich´s kaum versieht (wie im echten Leben, oder?) – eben erblüht und gleich wieder verwelkt. Dadurch entsteht im Frühsommer erstmal viel Unordnung, wenn die Party dann vorbei ist.

Ganz anders die staudigen Blütenschönheiten des Herbstes. Sie bilden ihre viel versprechenden Blattknospen auch schon im Frühjahr, entwickeln sich dann aber ganz allmählich. Irgendwann im Sommer erscheinen dann die ersten Andeutungen von Blüten, denen sich ohne jede Eile die Farbe im Rhythmus der vergehenden Wochen erst einhaucht. Was man an ihnen hat, merkt man erst wenn das Gartenjahr langsam zu Ende geht.

Spätsommer- und Herbstblüher haben den Vorteil, dass sie auch lange vorher schon gut ausgesehen haben, ohne dass man es recht gewürdigt hätte. Das Blattwerk entwickelt sich im Frühling und Sommer kontinuierlich, ohne die Zäsur, die eine frühe Blüte meist zwangsläufig mit sich bringt.
Bei den frühlingsfrühen Blühstauden und -zwiebeln beginnen die Blätter mitunter noch während der Blüte gelb zu werden und abzusterben – bei Tulpen, Mohn und Iris ist das so. Um das Chaos in Grenzen zu halten schneidet man die gelben Blätter und Stängel im Juni einfach ab. Dann ist es gut, wenn man Pflanzen im Beet hat, die nun erst richtig mit ihrem Wachstum beginnen und die entstandenen Lücken für den Rest des Jahres auffüllenn

 

 

 

 

 

 

 

Das sind z.B. die Korbblütler wie Astern, Echinacaeen und Rudbeckien. Das sind die eher zweijährig wachsenden Arten wie Verbena bonariensis, Gaura lindheimeri oder die schon besprochene Eselsdistel, die sich über Samen weiter vermehren. Und da sind die Gräser, die bis zum Winterbeginn eigentlich nur immer größer und schöner werden und deren Samenstände man bis zum kommenden Frühjahr stehen lassen kann, weil sie im Raureif so hübsch aussehen. Bei all diesen Pflanzen lohnt sich nicht nur ein zweiter, sondern auch noch ein dritter und vierter Blick – und Voraussicht bei der Gartenplanung.  Aber die Allerschönste aller Herbstfreuden, die stelle ich in zwei Wochen vor: Die Fette Henne – eine Pflanze (fast) ohne Fehl und Tadel.

 

 

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Pflanzen (fast) ohne Fehl und Tadel /2011/07/pflanzen-fast-ohne-fehl-und-tadel/ /2011/07/pflanzen-fast-ohne-fehl-und-tadel/#respond Thu, 21 Jul 2011 10:40:12 +0000 /?p=1891 Lesen fortsetzen ]]> Unter dieser Rubrik sollen in loser Folge Grüne Freunde vorstellig werden, die nach meiner Meinung etwas mehr Aufmerksamkeit und Verbreitung verdient hätten. Einfach weil sie ungewöhnlich gut aussehen, im hiesigen Klima und mit den eher schwachen Brandenburger Böden gut klar kommen und last not least wenig an Schädlingen und Krankheiten leiden. Aber auch Helden haben ihre Schwächen.

Unser heutiger Kandidat ist ein Musterbeispiel dafür: die Eselsdistel. Sie könnte auch Edeldistel heißen, denn sie ist über und über mit einem silbrig-weißen Pelz bedeckt und zeigt aristokratische Haltung. Die gesamte Gestalt dieser Pflanze wirkt kraftvoll, ornamental, aufrecht. Ihre eindrucksvoll bestachelten Blätter signalisieren: „Gucken ja – anfassen besser nicht“. Als krautiges Gewächs ist sie ein Riese, mit einem Durchmesser von einem und einer Höhe von zwei Metern. Geht aber auch noch größer. Diese gewaltige Phytomasse bildet sich innerhalb von zwei Jahren aus einem kaum linsengroßen Samen. Von Juli bis September des zweiten Jahres spriessen zahlreiche Distelblüten, die die Familie der Korbblütler anzeigen, also die Verwandtschaft mit Sonnen-, Ringel und Gänseblume. Nach der Blüte reifen die Samen und die gesamte Pflanze stirbt ab. Stiele und Blütenknospen sollen, rechtzeitig geerntet, schmackhaft sein und lassen sich wie Spargel oder Artischocken zubereiten. Das will ich dieses Jahr unbedingt mal ausprobieren.
Kombiniert mit mittelhohen Gräsern, blaugrau belaubten Stauden und grobem Schotter oder Kies, kann ich mir im Garten kaum was schöneres vorstellen als dieses wirklich große Gewächs mit dem botanischen Namen: Onopordum acanthium, was soviel bedeutet wie „stacheliger Eselfurz“. Man sagt, sie sei nicht so gut für die Verdauung der Huftiere. Bei Menschen soll sie aber allgemein heilsam und lindernd wirken.

Ein weiterer Name: Schottische Distel. Der Legende nach vereitelte die Pflanze eine Invasion der Wikinger auf den nördlichen Teil des Vereinten Königreichs. Die des Nachts angreifenden Nordmänner traten in stachelige Distelblätter und verrieten sich dabei lautstark. Zum Dank zieren diese Blätter seit dem 13. Jahrhundert das schottische Wappen und deshalb der Zweitname.

Noch ein Vorteil: diese Pflanze braucht praktisch kein Wasser und keinen Dünger! Und als gebürtige Mediterranierin ist sie sowas von hitzereresistent. Damit zählt die Eselsdistel zu den Gewinnern des Klimawandels und wird sich in Zukunft auch verstärkt natürlich ausbreiten. Die Bodenbeschaffenheit ist ihr eher egal. Eine gewisse Vorliebe für Brachen, Schutt und Steinuntergründe also ruderale (gestörte) Böden kann man unterstellen.

Was also ist der Nachteil?

1.Der ganze Zauber funktioniert nur bei viel Sonne und ausreichend Platz.

2.Durch den Zweijahreszyklus verändert sie ständig ihren Standort und keimt auch da, wo man am wenigsten damit rechnet. Oft entstehen an den abstrusesten Orten die schönsten Exemplare.

3.Die Pflanze ist invasiv, vermehrt sich also brachial. Am Besten den Flor gleich nach dem Verblühen abschneiden. Nur ein oder zwei Blüten zu Samen reifen lassen und diese ernten bevor sie davonfliegen. Es sei denn, man möchte den Nachbarn ärgern, der in Hauptwindrichtung liegt.

Die Fotos zeigen Onopordum kombiniert mit Allium christophii, Iris elatior und Sedum cauticola. Der Untergrund ist mit Schotter abgemagert und mineralisch gemulcht.

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Mediterane Gärten /2011/06/mediterane-garten/ /2011/06/mediterane-garten/#comments Tue, 28 Jun 2011 07:09:24 +0000 /?p=1762 Lesen fortsetzen ]]> Die Sehnsucht nach dem Süden ist ein Konzept, dass die gesamte mitteleuropäische Gartenkultur wie ein Muster durchwebt. Im St. Gallener Klosterplan ist belegt, dass schon im 9. Jahrhundert Pflanzen wie Rosmarin oder Salbei nördlich der Alpen kultiviert wurden.

Im hiesigen Teil der Welt können große Teile der Potsdamer Kulturlandschaft als Versuch betrachtet werden, romanisch-welschem Flair nachzueifern. Gerade in der Goethezeit nahm die Italienversessenheit fast groteske Züge an. Stichwort: „Kennst Du das Land wo die Zitronen blühn?“. Frau Mignon, die verkörperte Sehnsucht gen Süden, singt weiter (wir zitieren aus dem Original: Wilhelm Meisters theatralische Sendung von J.W.von Goethe):

Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und froh der Lorbeer steht,
Kennst du es wohl?
Dahin! Dahin

Generationen von Gärtnern sind und waren angestachelt vom Ehrgeiz, als Erste(r) Wein, Dattel und Pomeranze das Erfrieren abzugewöhnen. Koste es was es wolle. Das wohl prominenteste Beispiel sind die Terrassen von Sanssouci, wo nach einer Idee des alten Fritz, Feigen in kleinen verglasten Mauernischen hernagezogen werden sollten. Es hat funktioniert – temporär zumindest.
In der neueren Zeit ist natürlich viel Pflanzenschnickschnack aus aller Herren Länder dazu gekommen. Guten Mutes setzen unbedarfte Gartennovizen Tropengewächse den hiesigen sibirischen und arktischen Tiefausläufern aus. Wie viel Leid, Frust und Terror diese grausame Praxis bei unseren grünen Freunden mit Migrationshintergrund angerichtet hat, kann an dieser Stelle nur vermutet werden.
Auch in der modernen Gartenarchitektur spielt der mediterrane Garten eine zentrale Rolle.

Was ist damit gemeint?

Um weitere Qualen von meinen pflanzlichen Lieblingen abzuwenden, wollen wir mit den ganz sicher winterharten Kandidaten für einen Mittelmeer-Gartens beginnen. Genau deshalb müssen Oleander, Granatapfel und Bougainvillea die Hälfte des Jahres dort bleiben wo sie hingehören – nämlich drinnen.

Prototypisch für eine mediterrane Bepflanzung ist der Lavendel (Lavandula angustifolia). Grau-silbrige Belaubung, kühle Blütenfarben (weiß-blau-rosa) und die generöse Abgabe von ätherischen Ölen lassen südliche Gefühle aufkommen. Besonders die Sorte „Munstead“ ist zu empfehlen. Selbst weniger erfahrene Junggärtner haben schon einmal gehört, dass sich Lavendel gut mit Rosen verträgt. Er verlangt aber auch geradezu nach einer Kombination mit Gräsern, Schotter, Kies und Steinen, die seinen natürlichen Wuchsbedingungen entsprechen. Sehr gut funktioniert das mit Gartenreitgras (Calamagrostis x acutiflora „Karl Foerster“ oder dem Lampenputzergras (Pennisetum x alopecuroides „Hameln“). Während das erstgenannte eher dem leptosomen Kostitutionstyp entspricht, sollte man Pennisetum großzügig Platz zumessen, da es groß wird (ohne sich unerlaubt auszubreiten).

Sehr viel südlicheren Gefilden als Brandenburg zugehörig wirkt die Palmlilie (Yucca filamentosa). Sie ist aus Gärtnersicht zahm wie ein Lämmchen . Zusätzlich bleibt dieses Pflanzenwunder im Winter grün, ist frosthart wie ein Eisbär und blüht mit einem ganzen Stamm voller Lilienblüten von Juli bis August. Sehr schön macht sich das mit Gräsern, Kugellauch und Eselsohr (Stachys lanata) in einer Fläche aus mineralischem Mulch – also Kies, Geröll, Schotter oder Splitt als Bodenbedeckung. Überhaupt sind diese Pflanzen dankbar wenn der Boden eher nährstoffarm und mager ist. Dass sie in vollster Sonne stehen möchten, versteht sich von allein.

Ein sehr brauchbares Substitut für den im Mittelmeerraum unverzichtbaren aber leider nicht frostharten Ölbaum ist die Weidenblättrige Birne (Pyrus salicifolia), die in Ihrer Hängeform „Pendula“ äußerlich der Olive sehr nahe kommt und in etwa auch deren Dimension erreicht (5-8m Höhe).


Quelle: Radomil für Wikipedia

Von der baulichen Seite passen in den mediterranen Garten gut Ziegel- und Terracottafarben von gebranntem Ton, wie Pfanzgefäße, Klinkermauerwerk, Tonskulpturen etc. und natürlich alle hellen Natursteine wie Quarz, Marmor oder Travertin. Der Klassiker sind mit Kies oder Splitt aus diesen Natursteinen bestreute Wege.

 

 

 

 

 

Zum Schluss soll noch eine Pflanze vorgestellt werden, die den gärtnerischen Ehrgeiz zur Versüdlichung belohnen könnte: die Bitterorange (Poncirus trifoliata). Ein Wildstrauch der häufig als Veredelungsunterlage für Citrusfrüchte in rauen Lagen dient und in Blüte und Frucht der Orange recht ähnlich ist. Temperaturen bis –20° Celsius übersteht die Bitterorange entsprechend zuverlässiger Internetquellen klaglos. Gartenfreunde berichten, dass seit Jahrzehnten ein Exemplar im Arboretum der Späthschen Baumschule in Berlin überdauert. Die Winterhärte nimmt wie bei vielen Pflanzen mit dem Alter zu. Ab –20° C wird auch bei der Bitterorange ein zusätzlicher Winterschutz aus Schilfmatten, Laubsäcken oder einer kleinen verglasten Mauernische erforderlich.


Quelle: Bernhard Voß für Wikipedia

Frau Mignon hätte sich dennoch gefreut 🙂

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Mit Pflanzen sprechen – oder wie werde ich zum Pflanzenflüsterer? /2011/05/mit-pflanzen-sprechen-%e2%80%93-oder-wie-werde-ich-zum-pflanzenflusterer/ /2011/05/mit-pflanzen-sprechen-%e2%80%93-oder-wie-werde-ich-zum-pflanzenflusterer/#respond Thu, 26 May 2011 14:34:07 +0000 /?p=1386 Lesen fortsetzen ]]> Ich habe schon mal einen Baum durch Handauflegen und Besprechen am sicheren Ableben gehindert und drei Japanische Ahornsträucher von schweren Pilzinfektion geheilt. Ich bin mir da relativ sicher.

Die mentale und verbale Kontaktaufnahme mit unseren grünen Zöglingen hilft. Allerdings ist es wesentlich schwerer ungewollte Pflanzen mental zu töten. Da ist die Forschung noch nicht ganz so weit. Deshalb jäte ich die Wildkräuter weiter von Hand. Es dauerte anders einfach zu lang.

Dass Pflanzen untereinander auch kommunizieren kann inzwischen als wissenschaftlich erwiesen gelten. In den USA haben Forscher herausgefunden, dass Waldbäume bei Brandgefahr Signale abgeben, die andere Pflanzenindividuen alarmieren.

Umgekehrt denke ich, dass man Pflanzen in Problemsituationen, etwa wenn sie verpflanzt werden auch beruhigen und ihnen Zuversicht geben kann. Ich mache das so. Vor allem bei Großbaumverpflanzungen, die ja wirklich kritisch sind. Es ist in etwa so wie mit Pferden, die die (Un-)Sicherheit ihres Gegenübers erspüren und spiegeln.

Dass man durch Musik die Keimung von Pflanzen beeinflussen kann, ist ein relativ leicht reproduzierbares Experiment.

Es ist doch so: wenn ich, sagen wir es neutral, meinen Pflanzen positiv gegenüber trete, beschäftige ich mich vermutlich auch damit, was ich Ihnen sonst noch so Gutes tun kann. Und da ist ja die Auswahl nicht so groß: gießen, düngen und Schädlinge unterdrücken. CO2-Begasung wäre im Freiland zu kompliziert.

Wenn man sich vorstellt, dass eine Pflanze weder weglaufen noch sich kratzen, geschweige denn zurück beissen kann, was für eine Wohltat muß es dann für die Grünen sein, wenn man Ihnen ein paar Blattläuse zerquetscht oder aufdringliche und gefräßige Schnecken in Bier ertränkt. Man stelle sich das doch mal vor: Nachts kommt ein gefräßiges, schleimig-kaltes Monster und fängt an, an dir rum zu knabbern und du liegst gelähmt im bett: kafkaesk, Stoff für einen SiFi-Thriller, Bram Stoker ist dagegen ein Babysitter .

Ich denke die intelligenten beblätterten Biester kriegen sofort mit, wer es gut mit Ihnen meint und sie reagieren entsprechend positiv auf ihre Pfleger. Das stärkt das Selbstvertrauen des Gartennovizen und sein Handeln wird souberäner, was die Pflanzen dann wieder spüren können.

SO wird man zum Pflanzenflüsterer.

Bildquelle: Axel Mauruszat

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Sieben Vorurteile über Rasen /2011/05/sieben-vorurteile-uber-rasen/ /2011/05/sieben-vorurteile-uber-rasen/#comments Tue, 03 May 2011 10:00:45 +0000 /?p=1085 Lesen fortsetzen ]]> Nur ganz wenige Gärten kommen ohne den grünen Teppich aus und ein Mäher gehört zur Grundausstattung jedes Eigenheimbesitzers. Trotz seiner weiten Verbreitung halten sich aber auch im Internetzeitalter einige Vorurteile zum Thema Rasen und Rasenpflege erstaunlich hartnäckig. Zeit aufzuräumen.


Bildquelle: Wikipedia

1. „Rasen besteht aus Gras“: Jein, eigentlich ist es eine Vielzahl unterschiedlicher Grasarten und –sorten und das ist genau die Stärke des Rasens. Denn jede Grassorte ist ein Spezialist für eine besondere Aufgabe. Einige keimen schnell und können sich geschwind ausbreiten, andere leisten viel auch unter extremer Belastung und manche sind äußerst ansehnlich und fein. Sehr, sehr wenige können das alles auf einmal und das sind immer die Zuchtsorten, die ihren Preis haben. Ihren Preis sowohl hinsichtlich des Erwerbs, aber auch hinsichtlich der Pflege, die man leisten muss, damit sie ihre Qualitäten ausspielen können.
Bei Extensivsaatgutmischungen (das sind Wiesenansaaten, die seltener gemäht werden müssen) können zusätzlich zu den Grassamen auch Kräuter wie Schafgarbe oder Klee beigemischt sein.

Warum muss man das wissen?

 

 

Erstens: je nach Zusammensetzung der Grasarten braucht der Rasen eine andere Pflege. Ein Extensivrasen ist überhaupt nicht für dauernden Tiefschnitt ausgelegt und ein Intensivrasen verkommt ohne regelmäßige Pflege ganz schnell.
Es gibt Rasenmischungen für Menschen, die gießfaul sind (Regelsaatgutmischung RSM 2.2.1: Gebrauchsrasen für trockene Lagen) und solche die mehr auf Wiese stehen (Regelsaatgutmischung RSM 8.1: Biotopflächen). Diese beiden Mischungen sind für ökologisch orientierte Zeitgenossen, die nicht unbedingt einen Golfrasen brauchen empfehlenswert, da Dünger- und Wasserbedarf gering sind.

Zweitens: Die Zusammensetzung des Saatguts ist der entscheidende Faktor für die Güte des späteren Rasens. Deshalb lohnt es sich, nach der besten Qualität Ausschau zu halten. Man kann sagen, dass 80% des späteren Erfolgs von der Wahl des richtigen Saatguts abhängen. Deshalb bitte niemals Rasensamen aus der Billigecke wie z.B. „Berliner Tiergarten“ verwenden. Empfehlenswert: Saatgut der Fa. Wolf, z.B.: Premiumrasen „Schatten und Sonne“

2. „Düngen bringt nichts, man muss nur mehr mähen“: Falsch, die Belastbarkeit und der optische Eindruck einer Rasenfläche hängen extrem von der Nährstoffversorgung der Gräser ab. Gerade die trittfestesten und regenerationsfähigsten Grasarten haben den höchsten Nährstoffbedarf. Wahr ist, damit der Rasen Lücken schnell wieder zuwachsen kann und Belastungen aushält, muss er gedüngt werden. Gräser, die gut im Futter stehen, können sich besser gegen Unkraut und Moos wehren. Im Sportrasenbereich (Golf, Fußball, Hockey) werden gut und gern 20 g Stickstoff als Reinnährstoff pro Quadratmeter und Jahr verabreicht. Das entspricht etwa 150-250 Gramm Dünger pro Quadratmeter (das aber Umgotteswillen nicht alles auf einmal, sondern in drei Einzelgaben über die Vegetationsperiode verteilt, z.B. Mitte April, Mitte Juni, Anfang September).
Für alle, die das nicht einsehen wollen: der schon erwähnte Gebrauchsrasen für Trockenlagen zeichnet sich durch Anteile von Rohr- und Schafschwingel aus, also Gräserarten, die mit weniger Nährstoffen auskommen und die hitze- und trockenverträglicher sind. Dafür sind Belastbarkeit und optischer Eindruck nicht ganz so optimal.
Wem düngen grundsätzlich nicht genug Bio ist, dem empfehle ich die Rasenpflegeprodukte von Oscorna, die organisch und biologisch in Ordnung sind. Und…. sie funktionieren auch sehr gut.


Bildquelle: Wikipedia

3. „Rollrasen ist einfach besser“: Mit Rollrasen kauft man sich Zeit und bekommt in der Regel einen Rasen aus professionellem Saatgut (siehe Punkt 1.).
Rollrasen wird jedoch in der Rasenschule genauso aus einer Ansaat herangezogen wie jeder andere Rasen auch. In der Regel sind es Standardsorten (Gebrauchsrasen, Sportrasen), die man von der Rolle angeboten bekommt. Einen „Gebrauchsrasen für trockene Lagen“ wird man als Auslegeware nur schwer finden. Sowas muss man selbst aussäen.
Wird Rollrasen im Hochsommer verlegt, muss penibel auf den Wassernachschub geachtet werden. Er darf bis zu seinem Anwachsen keinesfalls austrocknen.

4. „Durch Vertikutieren holt man das Moos aus dem Rasen und lüftet den Boden“: Vertikutieren ist völlig überbewertet. Ich mache das privat grundsätzlich gar nicht und bei Kunden nur auf deren ausdrücklichen Wunsch. Wenn diese Maßnahme nicht durch Düngung, Absanden und Nachsaat begleitet wird, bringt sie gar nix. Wahr ist: alte Rasenflächen haben oft ein Verdichtungsproblem. D.h. der Boden ist durch die ständige Trittbelastung so sehr komprimiert, dass Wasser und Luft nicht mehr rein passen. Man kann dieses Problem kurzfristig mechanisch lösen, z.B. durch Aerifizieren. Besser ist es jedoch, das Bodenleben zu aktivieren. Also, sich die Millionen von Würmern, Kleinstlebewesen, Pilzen und Bakterien, die sowieso in jedem Boden leben, dienstbar zu machen. Wenn die alle richtig loswühlen, lockert sich der Boden von allein. Meine Empfehlung: Oscorna Bodenaktivator nach Herstellerangabe zwei- bis drei Mal im Jahr mit 150g/qm anwenden.

5. Schattenrasen hilft in dunklen Ecken: Schattenrasen ist ein Versprechen, dass nicht eingelöst werden kann. Ehrlicher wäre es, von Halbschattenrasen zu sprechen. Unter dicht belaubten Bäumen, oder an einer Nordseite wird man nie eine befriedigende und belastbare Rasendecke herstellen können.
Aus diesem Grund gehört in modernen Fußballarenen der regelmäßige Rollrasenwechsel zum normalen Pflegeplan. Durch die weit auskragenden Tribünenüberdachungen kommt einfach nicht mehr genug Sonnenlicht zum Spielfeld.

6. „Ich mähe lieber seltener, dafür schneide ich den Rasen kürzer“. Die beste Methode, um den Rasen in Rekordzeit zu ruinieren. Umgekehrt wir ein Schuh draus: möglichst häufig mähen und wenig abschneiden. Die gärtnerische Faustregel lautet: Die Hand mit der Handkante senkrecht ins Gras stellen. Wenn der Rasen über handhoch ist, wird gemäht. Schnitthöhe: halbe Hand, also ca. 4-5 cm. Bei gut gepflegtem, also regelmäßig gedüngtem und gewässertem Rasen ist das einmal pro Woche. Golfgreens werden übrigens täglich gemäht, die Schnitthöhe beträgt 0,5 cm. Das funktioniert aber nur mit Intensivrasen (siehe Punkt 1.)

7. „Rasen ist doch sowieso unökologisch“: Wahr und falsch, gepflegter Rasen produziert in hohem Maß Sauerstoff, mehr noch als Wald. Eine Rasenfläche von 500 qm machte eine vierköpfige Familie in puncto Sauerstoff autark.
Rasen bindet auch sehr viel CO2, allerdings wird das durch das Mähen mit Benzinmotorgeräten wieder mehr als zunichte gemacht. Ökologisch sinnvoll wäre es, den Rasen mit Ökostrom elektrisch zu mähen oder noch besser gleich mit einem handbetriebenen Mäher zu arbeiten. Dann ist Rasen auch ökologisch völlig ok.

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Wann ist der Garten am schönsten? /2011/04/wann-ist-der-garten-am-schonsten/ /2011/04/wann-ist-der-garten-am-schonsten/#respond Tue, 12 Apr 2011 06:00:31 +0000 /?p=790 Lesen fortsetzen ]]> Meiner Meinung nach von Mitte April bis Anfang Juni.
Statistisch gesehen blühen die meisten Pflanzen in diesem Zeitraum.
Das Grün ist schon voll da, es hat aber noch diese unirdische Zartheit und Frische. Alles wächst mit atemberaubender Gechwindigkeit und Kraft.
Diese Erkenntnis trieb wohl auch die Initiatoren vieler Gartenfestivals an, denn die meisten lassen ihre Feten just in dieser Zeitspanne steigen. Wir haben mithin noch etwas Zeit unsere Pläne zu schmieden und zu überdenken welchen Einladungen wir gerne folgen möchten. Aber die Uhr tickt.

Am 24. Mai startet die Mutter aller Gartenschauen, die göttliche Chelsea Flower Show in London, United Kingdom. Ob es noch Tickets gibt, weiß ich nicht. Ich hab meins schon seit November :}. Der erste Tag im ehemaligen königlichen Krankenhausgarten ist ohnehin nur für Royals und ausgewählte Journalisten zugelassen. Was man ab dem zweiten Tag als Normalsterblicher geboten bekommt, lohnt jeden Streß und Aufwand. Zum Beispiel dass man dort ab 10:00 Uhr nur noch passiv, in einer Art Loveparade für Geronten bewegt wird. Der Einlass beginnt um 8:00. Deshalb sind die ersten beiden Stunden meiner Meinung nach die wertvollsten. Denn ich persönlich hasse Massenveranstaltungen. In diesem Fall ist die Ausnahme jedoch mehr als gebongt. Die Engländer gehen aber auch anders damit um. Das Gedränge bleibt immer höflich, freundlich und distinguished.

Das eigentliche Highlight in Chelsea sind die Sponsorengärten. Auf einer Fläche von +/- 200 qm präsentieren Firmen, Staaten (The Australian Garden), Trusts und Foundations das, was in der ambitioniertesten Gartengsestaltung überhaupt nur im entferntesten denk- und realisierbar ist. Ohne gemeinsamen Zusammenhang, ohne Thema und ohne übergreifendes Konzept. Die Parzellen sind jedes Jahr die gleichen, die Gärten immer ganz anders. Tatsächliche Herstellungskosten für diese Preziosen werden nicht genannt. Sie sollen im sechs- bis siebenstelligen Bereich liegen, Pfund wohl gemerkt. Jede Beschreibung ist zum scheitern verurteilt. Das Rezept aber ist ganz einfach: simply the best. Die Gärten dürfen natürlich nicht betreten, lediglich von außen bestaunt und fotografiert werden. Die Schau selbst dauert nur fünf Tage bis zum 28. Mai. Dann wird alles wieder abgebaut. Ab Juni sind dann alle gehobenen Gartenzeitschriften voll mit Bildern dieses wirklich außergewöhnlichen Events. Das Feeling vor Ort ist bei Sausages, Fish&Chips und Pimm´s N°1 einfach himmlisch britisch.

Bild: Garden Festival Press Folder

Ganz anders funktioniert die N° 2, das Gartenfestival in Chaumont sur Loire. Das Festival International des Jardins hat jedes Jahr ein neues Thema. Das der Edition 2011 lautet: „Jardins d’avenir ou l’art de la biodiversité heureuse“. Also irgendwas mit Garten der Zukunft, Kunst und fröhlicher Biodiversität. Bitte, der Franzose liebt die intellektuelle Herausforderung. In Chaumont gibt es gesetzte Gartengestalter (Grüne Karte) und solche, die sich mit ihrem Konzept erst bewerben und dann durchsetzen mußten. Insgesamt stehen bei den 25 veränderlichen Gärtlein mehr die Planerpersönlichkeiten im Vordergrund. Die Konzepte der Themengärten sind verspielter, unperfekter und weniger aufw(ä)endig (wie schreibt man das jetzt?) realisiert. Dennoch hat sich das Festival in Chaumont ein festen Platz in der obersten Liga der europäischen Gartenfeste erobert. Es öffnet am 22. April und endet am 16. Oktober. Ähnlich wie in Chelsea ist das Umfeld natürlich großartig. Das wundervolle Loire-Schloß Chaumont, die Loire-Schlösser überhaupt und Frankreich und das ganze drumherum sowieso. Das Essen, der Wein, die Lebensart man kennt es und man liebt es oder eben nicht.

In Deutschland kommt der Marktführer in Sachen temporärer Gartengestaltung aus Ippenburg in der Nähe von Osnabrück. Seit 13 Jahren öffnet Freifrau von dem Bussche zu Ippenburg regelmäßig unter dem Motto „Gartenlust und Landvergnügen“ an Pfingsten die Pforten Ihres bescheidenen Schloßparks, um die geneigte Öffentlichkeit an den neuesten Errungenschaften ihres Gestaltungswillens teilhaben zu lassen.

Bild: Hompage Schloss Ippenburg, Fotografin: Iris Nepke

Es handelt sich mithin um eine Privatparty, die aber jedem, der bereit ist anzureisen und das Ticket zu lösen offen steht. Das Ganze ist ein Event und das Leben wird zum Ponyhof. Verkaufsstände, Kanufahrten im Schloßgraben oder der freiherrliche Kuchen- und Kräutergarten bilden einen Erlebnisrahmen für die ganze Familie.

Ganz im Gegensatz dazu steht die hochseriöse und staatssubventionierte Tradition der Landes-, Bundes- und Internationalen Gartenschauen. Veranstaltungen, die meist etwas mit städtebaulichen Problemfeldern zu tun haben. Solche Schauen sollen Randlagen, Abseiten oder Brachen sanieren und aufwerten. Ein Beispiel dafür ist der Britzer Garten in Berlin, die ehemalige BUGA 1983, die eine abgewirtschaftete Kiesgrube in einen bis heute attraktiven Park verwandelte.

Bild: Bildkatalog Britzer Garten

Oder die Eberswalder Landesgartenschau 2002 auf dem Gelände der ehemaligen und stillgelegten Stahlwerke, die man sich heute als Familiengarten Eberswalde reinziehen kann. Für die Gestaltung des zu seiner Entstehungszeit wirklich äußerst gelungen Gartens zeichnete das Berliner Büro Topotek 1 verantwortlich. Das unter vielem anderen auch das KPM Quartier in Berlin Charlottenburg entworfen hat.

Ein ganz heißer Tipp zum Schluß: Die Gärten der Welt in Berlin Marzahn. Nicht temporär, aber es kommt immer wieder was Neues hinzu. Ende April (sic!) eröffnet der neue Christliche Garten, gestaltet von meinen geschätzten Kollegen Marianne Mommsen und Gero Heck.
Die bereits bestehenden, also der Chinesische, der Orientalische, der Koreanische und der Renaissancegarten wurden mit Hilfe von EU-Fördermitteln auf dem Gelände des ehemaligen DDR-Erholungsparks Marzahn als vollendete Kleinode der Gartenkunst erschaffen (Der Balinesische und der Labyrinthgarten können da nicht ganz mithalten).

Bild: Bildkatalog Gärten der Welt

Vor allem der Japanische Garten, gestaltet von dem aller Ehren werten Kenkohjitempel-Oberzenpriester, Universitätsprofessor und Landschaftsarchitekten (was manche Leute alles hinkriegen!?) Shunmyo Masuno, ist genau meine Tasse Tee. Der wohl schönste japanische Garten in Europa. Dort kann man sich übrigens auch einen Kare san sui anschauen.

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