Zu Besuch – Wie sieht's denn hier aus? / Eigensinnig unperfekt zwischen Stadt und Land. Wed, 06 Jun 2012 08:30:17 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.1 Zu Besuch im Haus der Schwarzwalduhren – ein Nachruf /2012/06/zu-besuch-im-haus-der-schwarzwalduhren-ein-nachruf/ /2012/06/zu-besuch-im-haus-der-schwarzwalduhren-ein-nachruf/#comments Wed, 06 Jun 2012 08:30:17 +0000 /?p=4163 Lesen fortsetzen ]]> Als ich den Autor kennenlernte, war das für mich auch eine gute Gelegenheit, mein doch sehr eingerostetes Schulenglisch aufzupolieren. Dachte ich jedenfalls. Allein, er sprach nur Deutsch mit mir und seine Familie ebenso. Irgendwann nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und fing einfach in Englisch an – und bekam meine Antworten in Deutsch. Hmpf. So schlecht war es also, mein Englisch. Das sei ganz sicher nicht der Fall, so der Autor, seine Eltern wären es nur gewohnt mit seinen Freundinnen (Mehrzahl? *augenbrauenheb*) Deutsch zu reden.

Und so fand ich mich mit seinem Vater Douglas am nächsten Tag in seiner Uhrenwerkstatt auf eine Zigarette (damals frönten wir beide noch diesem Laster, langlang ist es her) wieder und ich bekam meine erste von vielen Lektionen zum Thema Schwarzwalduhren damals und heute und wie man sie repariert. Auf englisch. Von einem Amerikaner. Ich hab maximal ein Drittel verstanden und das ist noch gestrunzt. Aber immerhin habe ich ein hoffentlich halbwegs intelligentes Gesicht gemacht und erstaunt ein solch intensives Maß an Begeisterung erlebt, die ein Mensch hat, der wirklich liebt, was er tut.

Irgendwann vor Jahrzehnten meinte meine Schwiegermutter wohl, ihr Mann solle sich doch mal ein Hobby suchen und er ist, wie auch immer, auf die Schwarzwalduhr gekommen. Wie viele es bis heute sind, ich glaube, das wußte noch nicht mal er mehr genau. Fragen kann ich ihn nicht mehr, mein Schwiegervater Douglas ist vor wenigen Wochen verstorben.

Aber jede einzelne Uhr erzählt ihre ganz eigene Geschichte, auch, wenn ich sie nicht kenne. Wobei das natürlich nicht ganz richtig ist, ich kenne sehr wohl ein paar der Abenteuer, wie einige der  Uhren zu ihm gekommen sind, nur lagen sie zu diesen Zeitpunkt in alle Einzelteile zerlegt vor ihm. Welchen Uhren ich schon in die Eingeweide geschaut habe und welchen nicht – ich habe keine Ahnung. Wohl aber weiß, was sie ihm bedeutet haben. Die Uhren, nicht die Eingeweide. Jede Uhr, die gerade vor ihm lag, war gerade seine Wichtigste. Jede eine neue Herausforderung und jede sein ganzer Stolz, wenn er es geschafft hatte, ihr mit seinem oft selbst hergestellten Werkzeug wieder Leben einzuhauchen. Und er hat es mit allen geschafft.

Mit Sicherheit waren Uhren nicht sein ganzes Leben, aber sie waren – neben dem Schreiben – seine Leidenschaft und seine Passion.

Sie sind, für mein Dafürhalten, nicht alle unbedingt wirklich schön. Vor allem bei den sehr traditionellen Kuckucks-Uhren muss man schon sehr im Thema sein, um sie zu mögen. Insbesondere dann, wenn man um Mitternacht senkrecht im Bett steht, weil neben einem ein Monster anfängt zu schlagen, weil man vergessen hat, das Ding abends anzuhalten.

Aber nichtsdestowenigertrotz ist der Uhrenraum, in dem tatsächlich an hohen Feiertagen auch gegessen wird, sehr imposant anzusehen. Sicher, eine große, ehrfurchtgebietende Großvateruhr, die allein im Flur Wache hält, hat auch was für sich. Aber wenn man in einen Raum kommt, in dem mindestens hundert kleine, große, alte, fast moderne, kitschige, aufs wesentliche reduzierte, laute, leise, hässliche und wunderschöne Uhren auf einen wirken – dann hat das schon etwas sehr Erhabenes.

 

Jedenfalls bis die Kinder rein kamen, schnurstracks auf die Uhr ihrer Wahl zustürmten und sich in allen Details erklären ließen, was das für eine ist, wo sie her kommt und welche Magie Grandpa daran vollbracht hat. Und dann hatte Mutter die nächste halbe Stunde Pause, denn Kind wie auch Grandpa waren sowieso nicht ansprechbar, weil vertieft und glücklich im Uhrengespräch.

 

 

 

 

 

 

 

Eine seiner All-Time Lieblingsuhren steht jetzt übrigens wieder hier in Deutschland, er hat sie mir vermacht, weil ich ihre Schlichtheit und das Filigrane so mochte. Und meine ganz persönliche Wandlieblingsuhr aus dunklem Holz, mit lila Perlmutt und einem einsehbaren Uhrwerk hängt bei ihm in der Garage. Neben dem Schuhregal für die Sport- und Laufschuhe. So cool muss man erstmal sein. Wobei es aber auch sein kann, dass woanders einfach kein Platz mehr war.

Nun wird keine mehr dazu kommen. Alle Uhren sind noch an ihrem Platz und werden nie mehr zusammengerückt werden, um doch noch eine Lücke für einen Neuankömmling zu machen. Einige von ihnen werden immer noch liebevoll aufgezogen. Eine davon ist die Standuhr rechts im unteren Bild. Unten im Uhrenkasten ruht jetzt bis auf weiteres Dougs Asche. Ich gebe zu, das kann einem schon sehr eigenartig vorkommen und man muss das mögen. Er würde es lieben, da bin ich mir sicher.

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Zu Besuch in der Steampunk Villa /2012/01/zu-besuch-in-der-steampunk-villa/ /2012/01/zu-besuch-in-der-steampunk-villa/#comments Mon, 09 Jan 2012 11:51:25 +0000 /?p=3229 Lesen fortsetzen ]]> Der Autor ist ja in unserer Beziehung neben dem Entwerfen von Welteroberungs-Tischen auch für Geek-Sachen zuständig. Und so schickte er mir den Artikel aus dem WIRED-Magazin von Hugh Hart zu, der sich mit einer Steampunkvilla in New England, USA beschäftigte. Ich hab den Mund nicht mehr zu bekommen!

Zur Erklärung, Steampunk ist eine hauptsächlich in angelsächischen Ländern bekannte, noch recht junge Stilrichtung, die moderne und zukunftsorientierte Funktionen mit den Mitteln und Materialen des viktorianischen Zeitalters verbindet. Mittlerweile ist eine ganze Subkultur entstanden, die meinen meinen ganz persönlichen Helden in Bruce Rosenbaum hat. Er hat sein Haus aus dem Jahre 1901 in genau diesem Sinne ausgebaut und das in einer absolut unglaublichen Art und Weise.

Von aussen betrachtet sieht das Haus für New Englands Verhältnisse nicht so ungewöhnlich aus, wenn man sein Alter betrachtet. Sehr gut in Schuß, aber eben normal.

Angefangen hat alles im Jahre 2000, als Rosenbaum und seine Frau eingzogen sind. Die Renovierung – die im übrigen immer noch andauert, was mir sehr bekannt vorkommt, brachte sie immer mehr in die Richtung neue, moderne Technik in das alte Gemäuer einzubinden, was sie seither immer weiter perfektionieren. Seit 2007 haben die beiden ihre Passion zu ihrem Beruf gemacht und ModVic gegründet.

Fangen wir doch gleich mal mit meinem Lieblingsplatz, der Küche, an. Das ist schon deswegen ein guter Ort, weil mit diesem Ofen eigentlich alles begann. Nachdem er diesen alten Holzofen nämlich gesehen, restauriert und mit moderner Technik ausgestattet hatte, kam Rosenbaum von der Idee der richtige alten Sachen im futuristischen Gewand nicht mehr los. Ganz ehrlich, auf die Idee, ein Ceranfeld in so ein altes Stück zu setzen, muss man erst mal kommen. Direkt daneben steht ein ehemaliger alter Warmwassertank, der heute als Filteranlage dient. Und ganz ehrlich – ich finde die Küche als solches klasse – sehr nett auch das Detail des Hundefressplatzes links unten. Die Bar war übrigens mal ein Druckertisch aus des 1890er Jahren.

 

 

 

 

 

 

 

Mr. Rosenbaum hat mir übrigens glaubhaft versichert, es wäre gar nicht so aufwendig das alles sauber und blank zu halten. Nein, ganz bestimmt nicht.

Wie man moderne, technische Geräte in ein Altes einbindet, ohne das es wie gewollt und nicht gekonnt aussieht, verdeutlicht der Fernseher und der ganze Technik-Schnickschnack drumrum.

 

 

 

 

 

 

 

Leider habe ich keine Fotos vom Bad – da soll aber nicht gar soviel gemacht worden sein, eine ausser eine kleine Zeitreisendusche für den Hausgebrauch. Und die Kinderzimmer der beiden Söhne sind komplett Steampunkfrei – bis die Kinder das Haus verlassen haben, dann werden ihre Räume okkupiert.

Dafür hätte ich aber noch eine wirklich nette Sitzecke anzubieten. Da möche ich gleich meine Röcke raffen, das Hausmädchen nach dem Tee schicken und mit einigen Intellektuellen über Elliot disputieren.

 

Aber Rosenbaums eigentliches Meister- und auch Lieblingsstück ist sein Computer- und damit Arbeitstisch. Er ist in eine alte Orgel von 1880 integriert. Ich meine, wie cool ist das Teil hier bitte???

 

Ich kann gar nicht anfangen zu beschreiben, wie klasse ich das umgesetzt finde. Richtig genial finde ich persönlich ja die Idee, um Monitore Rahmen zu setzen. Ich befürchte, es paßt bei uns nicht ganz so rein, wie ich mir das vorstelle, zumal mein Laptop ja auch immer von A nach B getragen wird und ich gar keinen echten Desktop mehr besitze, aber gut finden kann ich das trotzdem. Diese Tastatur ist einfach nur grandios, so einen USB-Stick will ich auch und und sogar der Scanner paßt sich nahtlos ein.

 

 

 

 

 

 

 

Auf die Frage, wie man bitte auf solche Ideen kommt, meint Rosenbaum, meist würde es damit anfangen, daß er irgendwas braucht – zum Beispiel einen Herd. Dann fängt er an, nach etwas zu suchen, was Geschichte hat, aus anständigem Material gefertigt ist und das man gerne ansehen mag. Gemeinhin findet er dann irgendwann das Stück auf Antikmärkten oder ebay und nutzt dann sein Hirn, um beides – Nutzen und Schönheit – zusammenzuführen. Oft genug braucht er dazu die Hilfe von Experten, aber bisher hat er im Endeffekt immer noch das bekommen, was er sich vorgestellt hat.

Ich bin übrigens zu einer Haustour eingeladen, wenn ich das nächste Mal in Massachusetts vorbei komme. Und glaubt mir, sollte es mich jemals in diese Ecke verschlagen, Mr. und Mrs Rosenbaum sind die ersten, die ich besuchen werde.

Kleiner Teaser: Aus Amerika wurde mir auch ein PDF zugespielt – Wie man ein altes Haus renoviert und dabei verheiratet bleibt. Ich übersetze es und werde es als Ratgeber irgendwann in den nächsten Wochen hier online stellen.

Alle Bilder sind wurden uns dankenswerterweise vom Steampunkworkshop zur Verfügung gestellt.

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Zu Besuch im kleinen, blauen, glitzernden Bad /2011/10/zu-besuch-im-kleinen-blauen-glitzernden-bad/ /2011/10/zu-besuch-im-kleinen-blauen-glitzernden-bad/#respond Thu, 27 Oct 2011 14:00:53 +0000 /?p=2709 Lesen fortsetzen ]]> Kleine Bäder sind, finde ich, eine Pest. Man kann sich nicht umdrehen ohne sich zu stoßen, wirklich schöne Sachen brauchen mehr Platz und überhaupt sind kleine Bäder schlicht häßlich.

Es sei denn, man hat wirklich ein Händchen für Inneneinrichtung, eine Menge Mut und – man muß es leider so sagen – den Willen und die Möglichkeit mal eine Mark in die Hand zu nehmen. So geschehen bei Ingo.

Als ich das erste Mal in sein Bad trat, bin ich rückwärts wieder raus, drehte mich um und fragte sehr verdattert

„Was ist DAS denn?“

Diese Reaktion bekommt er häufig, denn Ingos Bad ist nicht nur sehr klein. Es ist auch sehr blau. Und es glitzert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese beiden Bilder zusammengenommen ergeben in etwa die Breite des Bades –  und viel länger ist es auch nicht. Wenn man durch die Tür kommt, geht automatisch via Sensor das Licht  und meist ist auch Musik an. Das Licht ist im normal Falle weiß, kann aber auch in auf bunt getrimmt werden, was mit den Glitzerfliesen schon sehr diskomäßig rüberkommt – aber schon so aussergewöhnlich ist, dass man es einfach gut finden muss.

Und, unglaublich aber wahr, zwischen Badewanne und Waschbecken hat man tatsächlich genug Platz, um sich die Hände zu waschen, ohne irgendwo anzustossen. Und mein persönlicher Favorit, einfach weil das bei uns ohne das Aufhämmern der Kacheln schlicht nicht möglich war, ist aber der Handtuchwärmer. Ich liebe Handtuchwärmer.

 

Hier sieht man noch mal sehr eindrucksvoll die gesamte Breite des Bades.  Und wenn man genau hinschaut, dann sieht man auch, dass die Toilette eine vollautomatische ist. Der Deckel geht auf leichtes antippen auf und zu und von der Leiste an der Wand lassen sich allerlei Funktionen bei bedienen. Und ich bin sicher, ich bin nicht die einzige, die sich im Bad schon nach den drei Muscheln umgeschaut hat. Aber das Allerbeste ist

die Badewanne. Mit Whirl-Pool-von-allen-Seiten-Funktion. Und ja, den habe ich nebst Crémant bei einer sehr spontanen Poolparty auch schon ausprobieren dürfen und es ist ganz unglaublich wieviel Platz man in so einem kleinen Ding von Bad hat. Es ist sogar noch Platz für die wachsamen Augen der Sittenwächter (die übrigens, das möchte ich noch schnell betonen, ganz und gar nichts zu beanstanden hatten bei dieser Poolparty).

 

So bei näherer Betrachtung mag ich kleine Bäder doch, glaube ich. Wenn sie gut durchdacht und ungewöhnlich sind wie dieses hier. Und große Wellness-Oasen kann schließlich jeder.

Wer: Ingo
Seit wann: 2002                                                                                                                                                                        Wo: Mitten in Berlin

Wie würdest Du den Stil Deines Bades beschreiben?
TausendundeineNacht im Jahr 2010

Seit wann sieht es so aus wie jetzt?
Seit 2002 glaube ich.

Selbst designt, designen lassen oder eine Mischung aus beidem?
100% eigener Entwurf.

Was ist das Highlight in Deinem Bad?
Die Fliesen. Aber eigentlich macht es das Gesamtkonzept aus. Wie bei einem guten Essen. Da ist es auch nicht eine Gewürz, sondern die Gesamtkomposition.

Was ist Dir generell in einem Bad am wichtigsten?
Das es Spaß macht, auch zu zweit 😉

Wenn Du könntest, wie Du wolltest, was würdest Du Dir für Dein Bad noch anschaffen?
Nichts.

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Zu Besuch in der Triobar – Wie man einen echten Cocktail der Woche macht /2011/08/zu-besuch-in-der-triobar-wie-man-einen-echten-cocktail-der-woche-macht/ /2011/08/zu-besuch-in-der-triobar-wie-man-einen-echten-cocktail-der-woche-macht/#comments Tue, 23 Aug 2011 11:08:47 +0000 /?p=1907 Lesen fortsetzen ]]> Die Mail fing ganz harmlos an. Mike schrieb uns, daß er unseren Blog gut findet, allein und nichts für ungut – ein wirklicher Cocktail würde anders aussehen. Er würde uns auch gerne zeigen wie das geht und ob wir Lust auf einen Cocktailkurs hätten. Sowas sagt man uns nicht zweimal, der nächste freie Termin war unser.

Und so stiegen wir an einem Samstag im Juli die Stufen hinab in die Tiefen der Triobar, den Magen, wie von Mike vorgeschlagen, gut gefüllt und den Wagen sicher zuhause geparkt. Auf der Bar standen nebeneinander gereiht Degustationsgläser, Wassergläser und davor Wasserflaschen, deren Form alleine schon ein Blogeintrag wert wäre.

Als alle sieben Schüler brav am Thresen sassen, wurden wir kurz nach Grund des Daseins, Lieblingscocktail und Lieblingsbar interviewt. Und dann ging es los. Nicht etwa mit dem Mixen – nein, nein. Wir fingen an mit einer Spirituosenverkostung. Je drei verschiedene Wodka, Gin, Tequila und fünf unterschiedliche Sorten Rum. Es wurde warm in der Bar. Sehr warm.

Und so war auch der allererste Tip des Barkeepers, nach jeden Schluck Alkohol immerimmerimmer einen mindestens genauso großen Schluck Wasser trinken. Und man soll es nicht meinen, wenn ich nichts anderes aus dem Kurs mitgenommen hätte – was ich natürlich habe, aber nur mal angenommen – der Trick hilft. Simone und ich sind zwar leicht angeschickert, aber mehr oder minder gerade und auf zwei Beinen da raus gekommen.

Natürlich haben wir nicht nur verkostet – wir haben zu jeder Spirituosenart eine kurze und manchmal auch längere geschichtliche Abhandlung bekommen, wer wann das Getränk erfunden hat, wo es getrunken wird und welche Ausprägungen es hat. Und es ist unglaublich, wieviele unterschiedliche Varianten eines vornehmlich geschmacksneutralen Getränks wie zum Beispiel Wodka es gibt.

Nach einer kurzen Pause und dem erneuten Auffüllen der Wasserflaschen ging es dann ans Mixen – in einem zweiteiligen Mixer, versteht sich. Planters Punch. In fünf Variationen. Solange, bis es auch dem letzten schmeckte. Danach kamen Tommy´s Margaritha, Heavenly Gimlet, Marlowes Gimlet (absoluter Favorit) und der speziell gewünschte Absint-Cocktail Green Beast – der nicht nur bei mir nach einem Schluck im Abwasser landete.

Nach und nach werden wir die Cocktails hier vorstellen, versprochen – wirklich fotographieren konnten wir sie nicht mehr, irgendwann bei der Spirituosenverkostung muß irgendwie der Scharfstellautomatik der beiden Kameras auf Wochenende geschaltet haben.

Alles in allem war es ein wirkich toller Kurs und wären wir nicht eingeladen gewesen, wir hätten ihn auch regulär gebucht. Vielen Dank, Mike, wir haben unglaublich viel gelernt, es war lustig und wir werden nie wieder soetwas Schnödes wie einen Rosé-Wein für einen Cocktail der Woche durchgehen lassen.

Wer auch gerne einen Schnupperkurs machen möchte – hier gibt es die Infos dazu.

Seit wann machst Du Cocktailkurse – für Profis aber auch für Laien?
Ungefähr 6,5 Jahre ist es her, das ich mit den Kursen für Profis angefangen habe und vorher rund 5,5 Jahren kamen dann die Laienkurse dazu. Diese Hobbymixkurse entwickelte ich eher auf Wunsch meiner Gäste der Bar,
als dachte ich dachte das sie sich mal so gut verkaufen würden. Doch heute erwirtschaftet meine Barschule mit Cocktailkurse für Laien & Cocktailnerds mehr Geld als mit den Profikursen.
Da meinte es das Schicksal wohl sehr gut mit mir…

Wie bist Du dazu gekommen?
Ich bin selber Autodiktat und weiß wie mühsam es ist, alles nur aus Büchern zu lernen,
da wollte ich einfach etwas anders machen und Menschen mit Liebe zur Bar zeigen,
wie es auch ein wenig leichter geht…

Was gefällt Dir an der Triobar am besten?
Die Triobar ist mein persönlicher Traum von einer Bar, wie ich sie immer gern mal gefunden hätte.
Ein Platz für Cocktailliebhaber, ein Spirituosenmuseum zum anfassen und ertrinken,
einfach ein Platz für Freunde der Barkultur.
Die Triobar ist ein Ort wo man sich voll und ganz der Lust für Cocktails hingibt und dabei die Regeln der sonstigen Bars gerne mal ausser Acht lässt.

Wenn Du könntest, wie Du wolltest – was würdest Du verändern?

Nichts – sie ist so wie ich sie immer haben wollte!
Ein wahrgewordener Traum

Der seltsamste Cocktailschüler, den Du mal hattest?

Schwer zu sagen, da ich schon einige Cocktailschüler hatte, die sich wohl etwas ausserhalb der üblichen Vorstellungen verhalten haben. Durchaus einige Barnerds neigen zu skurillen Verhaltensweisen oder leben ihre Leidenschaft mit viel, viel Hingabe…
Amüsant war eine ältere Dame (76 Jahre), die unbedingt ihre Damen-Bridge-Runde mit einem Cocktailabend überraschen wollte und sich dafür extra zum Cocktailkurs anmeldete.
Die Kursstärke war damals 8 Personen und so buchte sie einfach 8 Plätze um ganz sicher zu gehen,dass sie auch genügend Zeit habe, um alles nachfragen zu können und alles ausreichend proben zu können. Ich war echt baff, als sie mir dann sagte, das da sonst kein weiterer Teilnehmer zum Kurs käme.
Der Bridge-Abend war dann wohl ein voller Erfolg, da sich dann knapp 4 Wochen später die gesamte Damenrunde zum Cocktailkurs anmeldete.

Der seltsamste Cocktailwunsch, den Du erfüllen solltest?
Ich habe einen sehr lieben weiblichen Gast, der sich wünschte mal für einen Abend die Bar ganz für sich alleine zu haben, mit mir als Barmann hinter der Bar und einfach mal so einen ganzen Abend alles probieren zu dürfen auf was sie gerade Lust hätte. Den Wunsch habe ich ihr dann auch erfüllt und es war wirklich ein ganz besonderer Abend. Leider ist sie mit ihrem Mann inzwischen nach Stuttgart gezogen.

Hast Du einen eigenen Lieblingscocktail?

Das hängt oftmals sehr von meiner Stimmung ab, aber generell trinke ich Sazeracs sehr gerne.
Der Sazerac ist ein sehr alter Cocktail, der heute leider nicht mehr sehr populär ist, aber für mich stets die Referenzklasse in einer guten Cocktailbar ist.
Wenn ich eine von meinen eigenen Kreationen als meinen Lieblingscocktail nennen sollte,
dann wäre es wohl der Smoky Signals, ein sehr aufwendiger Drink mit geräuchertem Eis.

Was war der letzte Cocktail, den Du gemixt hast?
Das war am Montagabend in der Bristol-Bar in Frankfurt, während eines Gastauftritts als Bartender einer meiner momentanen Favoriten:
Mexican-Twist
Ein Klassiker der Barkultur im neuen Licht betrachtet
6 cl Don Julio Reposado Tequila, 10 cl Gurkenwasser, 2 cl Limettensaft, 2 cl Agavensirup, 1 Prise Chili & Salz

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Zu Besuch in der Künstlerküche /2011/06/zu-besuch-in-der-kunstlerkuche/ /2011/06/zu-besuch-in-der-kunstlerkuche/#comments Thu, 23 Jun 2011 10:45:50 +0000 /?p=1714 Lesen fortsetzen ]]>

Besitzer: Constanze und Dirk
Seit: 2006
Wo: Irgendwo in Berlin

Über Constanzes Bad und das Zimmer Ihrer Tochter Emilie hatte ich ja schon mal geschrieben.

Aber was mich damals als erstes gepackt hat, war ihre Küche. Ich weiß auch ehrlich gar nicht, wo ich beim Beschreiben anfangen und wo ich aufhören soll. Eigentlich sollte ich gar nichts dazu schreiben und sie einfach nur wirken lassen.

Wenn ich den Raum aber  mit zwei Worten beschreiben sollte, dann sind es diese beiden: gemütlich und rot.

 

 

 

 

Gemütlich schon alleine wegen dem Sofa, man sitzt darauf wie Gott in Frankreich und will gar nicht mehr aufstehen. Und hat den Blich auf die Kochzeile. Von oben hängen Töpfe, alles steht in Reichweite und ich möchte bitte auch so eine „Naturarbeitsplatte“, die so wirkt, wie gerade aus dem Wald geholt und bearbeitet. Rot, nun ja, das ist offensichtlich, denke ich mal.

 

Hinter der Glaswand ist übrigens ein behinderten gerechtes Badezimmer, in dem im Winter auch gerne mal alles steht, was draussen keinen Frost abbekommen darf. Obwohl die Küche selbst kein Fenster hat, kommt durch die Glasbauwand sehr viel Licht durch und verhindert, dass sie dunkel wirkt.

 

Die Kaffeemaschine ist ein wirkliches Goldstück – ich habe keine Ahnung, wo genau sie her ist, aber der Kaffee daraus ist baristamade-like.

 

 

Wenn man auf der Couch sitzt, sieht man übrigens diese Tür kaum, zwar hängt da irgendwo in der Mitte der Wand eine Klinke rum, aber das es danach noch in andere Zimmer – das Atelier –  weitergeht, das merkt man erst, wenn irgendjemand die Tür aufmacht.

Das Gefühl, das man hat, wenn man hier bei Kaffee und Kuchen sitzt, hat was vom Puppenstubenland gepaart mit unglaublicher Lebensfreude. Ja, es gibt übersichtlichere Küchen, aber wenige, in denen man auch nach einer halben Stunde immer noch neue Dinge entdeckt. Aus einer und der selben Position.

Und beim Schreiben habe ich gerade den Gedanken bekommen, dass mir doch noch was gefehlt hat, als ich da war – der Napfkuchen auf dem Tisch. Den werd ich das nächste Mal mitbringen und dann werde ich wieder in das Wunderland „Küche Constanze“ abtauchen.

 

Wie würdest Du den Stil Deiner Küche beschreiben?
Wohl am ehesten persönlich, weil er unseren Bedürfnissen entsprechen muß.

Seit wann hast Du sie?
Seit gut 5 Jahren

Selbst designt, designen lassen oder eine Mischung aus beidem?
Alle Ideen haben wir entwickelt, bei der Ausführung hatte wir Hilfe

Was gefällt Dir an Deiner Küche am besten?
Sie ist groß, mit Platz für eine große Runde am Esstisch. Im Sommer ist der Ausgang zum Hofgarten perfekt. Man kann eben mal frische Kräuter aus dem Garten holen, und das mitten in Berlin…

Was ist Dir generell in einer Küche am wichtigsten?
Gute Bedingungen zum Kochen und für Geselligkeit, und zwar beides gleichzeitig.

Wenn Du könntest, wie Du wolltest, was würdest Du Dir für Deine Küche noch anschaffen?
Einen großen Wintergarten anbauen für die Orangenbäumchen und den Oleander im Winter.

Wie sieht für Dich das perfekte selbst gekochte Essen aus?
Frisch zubereitet aus frischen Zutaten, leicht und es soll nach dem schmecken, was es ist

Was hast Du gestern gekocht?
Noch ist Spargelsaison – natürlich Spargel mit neuen Kartoffeln

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Zu Besuch in Seoul: Wo Wanderer wohnen /2011/06/zu-besuch-in-seoul-wo-wanderer-wohnen/ /2011/06/zu-besuch-in-seoul-wo-wanderer-wohnen/#respond Thu, 16 Jun 2011 12:02:14 +0000 /?p=1530 Lesen fortsetzen ]]>

Einen Teil unserers Familienlebens haben wir in Seoul verbracht. Anderthalb Jahre in einer riesigen, wuseligen Stadt in einer Wohnung mit herrlichem Blick auf den Namsan (ein Berg in der Mitte von Seoul). Da findet man natürlich Freunde. Leider sind die meisten Ausländer dann doch moderne Nomaden und werden von Ihren Firmen immer wieder in andere Länder geschickt. Einige jedoch bleiben länger und so hatte ich die Gelegenheit in eine moderne koreanisch geschnittene Wohnung zu schauen.

Mein Gastgeber ist aus Deutschland und hat Stationen in New York und Hong-Kong hinter sich. Gerade den chinesischen Part sieht man der Wohnung dann doch an der einen oder anderen Stelle an. Aber fangen wir von vorn an.

Koreanische Wohnungen haben immer einen Vorraum in dem ein kleiner Absatz den Teil der Wohnung der noch draussen ist, von dem inneren trennt. Dort ist es auch geboten die Schuhe auszuziehen, denn in Korea wird nur auf Strümpfen die Wohnung betreten. Entsprechend leicht an- und auszuziehendes Schuhwerk ist von Vorteil – ebenso wie die Sauberkeit und  Löcherfreiheit der Socken. Die Wohnung selbst teilt sich in drei Teile, die um das große Wohnzimmer mit abtrennbarer Wohnküche angeordnet sind. In Wohnungen dieser Größe gibt es zwei Badezimmer, wobei eins im Bereich des Schlafzimmer ist und mit einem Umkleidezimmer mit Kleiderschrank verbunden ist. Ein kleiner Flur verbindet den privaten Bereich .

Der zweite Bereich im hinteren Teil der Wohnung ist auf der Blickachse von der Eingangstür und hat links ein Arbeitszimmer und rechts direkt neben dem Wohnzimmer ein großzügiges Gästezimmer in dem ein toller chinesischer Schrank nebst Spiegel steht. Koreanische Wohnungen werden selbst unmöbliert immer mit Gardinen und Vorhängen vermietet. Meistens blickdichte barocke Stoffe, wie der rote Satinvorhang im Gästezimmer. Passend dazu eine gerade noch akzeptable Tapete in gleicher Farbe mit einem Pflanzenmuster.

Am Ende des Ganges, wo der Spiegel mit einem kleinen Vorhang abgedeckt ist geht es rechts um die Ecke in ein kleines Badezimmer mit Toilette, Waschbecken und Badewanne mit Whirlpool. Alle Zimmer sind individuell mit Klimanlagen und Fußbodenheizung ausgestattet. Das ist auch notwendig, da es im Sommer bei 30 Grad und 95% Luftfeuchtigkeit unerträglich wird und auch die Winter hier durchaus deutliche Minusgrade aufweisen.

Die Wohnung hat, was nicht immer üblich ist, einen schönen Blick über einen eher flach bebauten Teil der Stadt und ist in der nähe eines buddhistischen Tempels gelegen, der einen morgens mit Betgesängen aus dem Schlaf holt.

Insgesamt eine schöne Bleibe, auch wenn die Bewohner, wie viele andere auch, zu wenig die kleinen Fenster öffnen, da die Luft in Seoul so mit Staub belastet ist, dass innerhalb kürzester Zeit ein schwarzer Film über allem liegt, der wirklich schwer wegzubekommen ist. Ich erinnere mich noch an unsere Wohnung, wo man nur kurz nach dem Putzen mit weißen Socken (ja, es gibt Besucher, die kommen mit weissen Socket nach Seoul) über das Parkett gehen konnte.

Der diesige Blick auf die Stadt ist normal im Sommer, wo die Sonner immer nur durch diese Wolkendecke brennt. im Winter gibts dafür blauen Himmel, Sonnenschein und Eiseskälte.

 

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Zu Besuch in London. Heute: Asiatisch essen für Profis. /2011/06/zu-besuch-in-london-heute-asiatisch-essen-fur-profis/ /2011/06/zu-besuch-in-london-heute-asiatisch-essen-fur-profis/#respond Thu, 09 Jun 2011 14:08:54 +0000 /?p=1522 Lesen fortsetzen ]]> Eigentlich wollte ich einen Freund besuchen, früher mal Kellner. Also richtig, mit Lehre und so. Nicht sowas wie die Tischdienste und Gebäckträger, die hier in Berlin rumlungern arbeiten.
Nach einigen Stationen ist er dann vor Jahren in London hängen geblieben. Und hat Karriere gemacht.
Also: auf ein langes Wochenende gewartet, alle Termine freigehalten und mit der Besten Blondine und dem Kleinen Mann nach London geflogen. Saurier gucken, shoppen, was muss, das muss….

Und ein nettes kleines Chinesisches Restaurant findet sich auch hinter dem Tor.

Authentisch, lecker, preiswert und sie sprachen sogar englisch (das ist neu).
Schade, dass es im Supermarkt keine Spezialitäten mehr gab.

Das Foto wollte ich am nächsten Tag mit echten Ware wiederholen, hab ich aber wieder mal vertrödelt ;-( .

Am zweiten Abend nochmal asiatisch, diesmal japanisch.
Okay, man sagt, London ist teuer. Stimmt. Aber der Wechselkurs war schon schlechter für uns. Japanisch ist auch teuer. Ist es aber bei uns auch. Muß man dann noch in eines der teuersten Restaurants der Stadt gehen? Och ja, kriegt das Kind eben die nächsten Tage nur trocken Brot. Zwischen Harrods und Chelsea. Nicht ganz wie Neukölln. Prioritäten sind alles. Und wir sind ja ohnehin als Rabeneltern verschrieen.
Das Nozomi war allein die Reise wert.

Ich weiß nur noch nicht, weswegen. Also was das Beste war.
War es das Wagyu-Beeftataki (Tatar vom teuersten Rind der Welt, mit Ingwerdressing und Lotus)
Die eigentlich simplen, aber vorzüglich umgesetzten Dim sum von der foie gras? Mal sehen, wann ich die mal zuhause nachbaue.
Sushi, heiß und kross. Das geht.
Frittierte Crème brûlée?
Iberico-Schwein?
Tempura vom Hummer?
Selbst entwickelte superleckere Cocktails? Besonders der Tirami-su-Cocktail, den werden wir dann hier mal einstellen, wenn wir die Zutaten haben.
Zuvorkommender Service, der sicherlich etwas übertrieben war, weil der Manager (erwähnte ich das noch nicht?) gelegentlich mit am Tisch saß?
VIP-Gast unter Millionären?
Absolutes Vertrauen zu den Kollegen?

Nun, sicherlich von allem etwas.

Für den letzten Teil des Abends sollte man sich dann jemanden mitnehmen, der zu verliebt ist, um über die Rechnung nachzudenken. Und versucht nicht, am Dessert zu sparen, das rettet auch nichts mehr. Ihr verpasst nur etwas.

Übrigens: wir hätten die Rechnung auch bezahlt, aber so sind wir dann das nächste Mal beim Franzosen oder in Mitte dran. Beim Gegenbesuch.

PS: Leider ging es da nicht besser mit dem fotografieren, wir hatten verständlicherweise anderes zu tun.

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Zu Besuch im autofreien Dorf in der Stadt – wie kommt die Wasserflasche in den Kühlschrank? /2011/06/zu-besuch-im-autofreien-dorf-in-der-stadt-wie-kommt-die-wasserflasche-in-den-kuhlschrank/ /2011/06/zu-besuch-im-autofreien-dorf-in-der-stadt-wie-kommt-die-wasserflasche-in-den-kuhlschrank/#respond Thu, 02 Jun 2011 10:31:11 +0000 /?p=1474 Lesen fortsetzen ]]> Hier nun also der zweite Teil der Autofreien Stadt, deren Webseite man übrigens hier findet – Asche über mein Haupt. Alle autofreien Wohnprojekte Deutschlands, Europas und weltweit findet man hier – vorsicht, etwas gewöhnungsbedürftige Seite.

Aber weiter mit dem Projekt in Hamburg Barmbek. Als ich das Haus nach meinem unfreiwilligen Marsch betrat und oben im dritten Stock zwei lächelnde Gesichter sah, dachte ich nur – typisch, und wieder kein Fahrstuhl. Das stimmt allerdings nur bedingt. Denn es ist wohl wahr, dass da im Moment noch keiner existiert, weil der Bedarf in dem Eigentumswohnungenteil noch nicht besteht und man beim Bau Geld sparen wollte. Gleichwohl ist aber der Platz und die Statik des Treppenhauses darauf ausgelegt, dass man nachträglich einen Fahrstuhl innen einbauen kann, sollte sich die Notwendigkeit ergeben.

Diese Weitsicht zieht sich durch das gesamte Projekt. Seien es die schon erwähnten Rampen in den Keller oder die Tatsache, dass es im Gemeinschaftsraum Duschen gibt. Auf der gemeinsamen Dachterasse gibt es Toilette und Teeküche. Oder die Tatsache, dass es wirklich schöne, gemütliche Ecken auf dem Gelände gibt, wo man sich immer wieder über den Weg laufen kann, wenn man es denn möchte. Es sind diese durchdachten, kleinen Dinge, die das Leben einfacher und schöner machen, die mich eigentlich am meisten beeindruckt haben an dem Gebäudekomplex.

 

Aber wie, bitte, bekomme ich meine Kisten Wasser aus dem Laden in meine Wohnung? Da finde ich es zwar schön, dass es genug Fahrradanhänger für alle gibt, ja, nettes Detail. Ehrlich gesagt, muss ich die nicht auf dem Drahtesel vollbeladen bei Wind und Wetter hinter mir herziehen. Abgesehen davon geht mein Wocheneinkauf für vier Leute da auch gar nicht rein.

Wie überall, ist es auch hier eine Frage der Organisation. Es ist wohl so, dass man weniger „den Wocheneinkauf“ macht, sondern eher häufiger mal einkauft und immer mal wieder was Frisches aus dem Laden oder dem Markt holt. Und für die schweren Sachen, gibt es im Prinzip drei Möglichkeiten, die hier hauptsächlich genutzt werden.

Einmal Augen zu und durch.

Oder man lässt sich die zumindest die Getränke liefern.

Und die dritte Möglichkeit hat sich wohl hauptsächlich bei den Familien eingebürgert: Man lässt sich einfach den gesamten, normalen Einkauf bringen, was mittlerweile gang und gäbe ist in Hamburg. Genauso ist es mit allen aussergewöhnlichen, schweren Sachen wie Balkonbepflanzung, Baumarkteinkäufe oder Wohnungseinrichtungen. Wahlweise via Lieferant oder Taxi. Die Zeiten, als sich Taxifahrer weigerten, „sowas“ zu transportieren sind GottseiDank vorbei. Und als genau nur eine Kette für Unsummen einen Lieferdienst bereit stellte, der auch nur sehr begrenzt fuhr – ich erinnere mich da dunkel an eine Begebenheit, die mit mir im neunten Monat, einer Grippewelle und einem entzündeten Ischiasnerv zu tun hatte. Das sind dann übrigens Gelegenheiten für die die Stellplätze gedacht sind.

Dafür, und für Lebenssituationen, in denen man einfach mal ein Auto braucht. Temporäre Familiennotfälle zum Beispiel, wenn man die Wohnung der Eltern ausräumen muss oder ein Familienmitglied jeden Tag zur Reha gebracht werden muss. Wenn man einen Stellplatz für eine begrenzte Zeit braucht, sagt man einem Gremium Bescheid, das darüber befindet und einen kurzen Aushang machen, dass ab jetzt für x Tage oder Wochen da rechtmäßig ein Auto steht.

Für diese Gelegenheiten gibt es Leihwagen oder aber diverse Car-Sharing Projekte, die man sich dann allerdings von irgendwo ausserhalb organisieren muss. Das Auto ist also nicht ein verteufelungswürdiges Ding, sondern ein Instrument, das dann eingesetzt wird, wenn es sich nicht anders organisieren lässt. Aber eben nichts, was man individuell besitzen muss.

Auf die Frage, in welchen Situationen denn man so ein Auto am meisten vermisst, kommen denn auch nicht die normalen Alltagssituationen, die man sich mit oder ohne Auto eh immer irgendwie organisieren muss, sondern so Sondersachen wie „Sonntagmorgens um halb zehn mal eben beschließen, mit den Kindern ins Grüne zu fahren – ohne sich erst einen Wagen mieten zu müssen.“

Ob es sich nun unbedingt monetär rechnet, das kann ich von hier aus nicht beurteilen, dafür spielen zuviele Einzelkomponenten und individuelle Gegebenheiten eine Rolle. Ich kann mir aber vorstellen, dass es zumindest eine Rechnung wert ist.

Eins ist aber auf jeden Fall klar, das Ganze funktioniert nur so gut, weil dieses Projekt sehr zentral in einer Großstadt liegt, sehr gut angebunden ist und die Dinge des täglichen Lebens – inklusive einer sehr leckeren Eisdiele – in Laufnähe liegen. Oder, wie mein Cousin Holger sich ausdrückte, in dem Moment, wo Du Dich entscheidest, aus der Stadt raus zu ziehen, hast Du auch immer die Entscheidung für ein Auto getroffen. Da ist was Wahres dran – obschon recht gut angebunden, komplett ohne Auto ginge es hier und in meiner Lebenssituation nicht. Ich glaube, wenn ich wirklich ein Stadtmensch wäre und keine Familie hätte, ich könnte mich vielleicht auf so ein Projekt einlassen.

Zumindest auf Zeit. Vielleicht.

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Zu Besuch im autofreien Dorf in der Stadt – der theoretische Unterbau /2011/05/zu-besuch-im-autofreien-dorf-in-der-stadt-der-theoretische-unterbau/ /2011/05/zu-besuch-im-autofreien-dorf-in-der-stadt-der-theoretische-unterbau/#comments Fri, 27 May 2011 10:51:20 +0000 /?p=1415 Lesen fortsetzen ]]> Da stand ich nun, inmitten des autofreien Wohnprojektes in Hamburg und rechnete halb damit, dass die Finger auf mich zeigen würden „Sie nennt ein Auto ihr Eigen, sie nennt ein Auto ihr Eigen!!!“ Als SchonimmerAutofahrerin hat man ja so seine gepflegten Vorurteile, aber mein Cousin Holger – mit dem mich eine mittlerweile Jahrzehnte lang dauernde Diskussion in Umweltbelangen im Allgemeinen wie im Besonderen verbindet – hat mir versichert, die Leute, die hier wohnen wären alle sehr nett.

Gut, dass das autofreie Wohnprojekt Saarlandstraße Hamburg zentral liegt, direkt an der gleichnamigen S-Bahnstation, dass hätte man sich denken können. Und wenn man vorher seine Mail gelesen oder Google Maps bemüht hätte, dann wäre man auch nicht einen Kilometer in die falsche Richtung gelaufen – zu Fuß in schönen, aber unbequemen Schuhen! Steht man dann aber irgendwann endlich davor, glaubt man ersteinmal ganz falsch zu sein – jedenfalls dann, wenn man diese romantisch-verklärte Vorstellung davon hat, dass „das Dorf in der Stadt“ kleine beschauliche Wohneinheiten im Sinne von kleinen Häuschen zu sein haben.

Die Häuser bestehen nämlich aus drei L-förmigen, vierstöckigen Gebäuden mit jeweils einem kleineren Gebäude innerhalb des Ls. Das erste L (auf dem Foto sieht man übrigens Teile des dritten Bauabschnitts von 2009, die Aussenansicht des ersten Gebäudes hab ich leider verpaßt zu fotographieren) wurde 1999 gebaut. Es besteht aus 18 Eigentumswohnungen und 31 Mietwohnungen, die einer extra für diesen Zweck gegründeten Kleingenossenschaft gehören. Im kleineren Gebäude – dem Würfel – sind noch mal vier Wohnungen vorhanden. Eingefasst ist das Ganze von einer stark befahrenen Strasse mit Gebäudegürtel auf der einen und als Kontrastprogramm von zwei beschaulichen Kanälen auf der anderen Seite.

Der Ansatz, den das Projekt verfolgt ist folgender: Es sollen die Möglichkeiten und der Raum geschaffen werden, umweltbewußt ohne Auto qualitativ hochwertig in einer hetrogenen Gemeinschaft zu leben. Und das Ganze bitte zu einem nicht horrenden Preis. In Hamburg. Klingt wie eine Utopie und wurde wohl von vielen anfangs auch so aufgefasst. Tatsächlich steckt neben ziemlich viel Idealismus vor allem eines in dem Projekt: Unglaublich viel Arbeit.

Zum einen mussten Behörden überzeugt werden, dass man hier nicht die vorgeschriebenen 0,8 Stellplätze pro Wohnung braucht. Nachdem sich die Bewohner richtig mit Vertrag und allem gegenüber der Stadt verpflichtet haben auf ein Auto zu verzichten, wurde die Richtlinie auf 0,15 Stellplätze verringert, was für den Gebäudekomplex 8 Stellplätze macht. Und die wiederum sind der Tatsache geschuldet, dass wie gesagt zwar Idealismus und auch ein Funken Ideologie im Projekt stecken, aber eben auch viel Pragmatismus und Lebenserfahrung. Aber dazu mehr im zweiten Teil.

Durch die vielen freigewordenen und somit nicht gebauten Stellplätze gibt es mehr Freiflächen, die als Gemeinschafsgarten, Kräuterparzellen, Spielplätze oder einfach nur Erholungsflächen genutzt werden. Außerdem ist Platz für Fahrradschuppen, auf die wiederum viel Wert gelegt wurde – pro Wohnung gibt es drei Fahrradstellplätze, was nun auch nicht unbedingt keinen geringen Platzbedarf darstellt. Teilweise sind die Räder in Schuppen, teilweise in den Kellern untergebracht, die wiederum mit Rampen versehen sind, so dass niemand Räder oder Kinderwagen tragen muß. Ein Weitblick, den sich nicht nur so manches Elternteil mit wagenpflichtigem Kind auch anderswo wünschen würde.

Und nur autofrei reicht ja nun auch nicht, das Projekt hat besteht aus Niedrigenergiehäusern, die Anlage hat ein Blockheizkraftwerk, das für mein Dafürhalten unglaublich kompliziert, aber doch wohl effektiv ist. Dazu kommt eine Photovoltaik-Anlage und diverse Regenwasserauffangbehältnisse. Die Umwelt- und Dämmvorgaben, die die derzeitige Regierung irgendwann für das Jahr 2050 oder so vorschreiben will, sind hier schon erfüllt. Und man hat mir glaubhaft versichert, dass niemand im Winter bei -6 Grad Aussentemperatur in Pulli und Decken gehüllt in der Wohnung frieren muss und trotzdem nur im Winter ca. 20% der Energie zu gekauft werden muss.

Bliebe noch das Detail mit dem günstig. Stellplätze sind teuer, in der Anschaffung und auch aufs laufende Jahr in der Verrechnung von Mieten gerechnet. Dieses Geld wurde eingespart und umgelegt. Außerdem wurden zum Zeitpunkt des Baus noch Kleingenossenschaften sowie umweltfreundliches Bauen erheblich gefördert. All diese Vergünstigungen zahlten und zahlen sich noch heute in Form von Mieten und Eigentum aus. Somit wurde tatsächlich bezahlbarer Wohnraum geschaffen.

Ach ja, und das Thema Gemeinschaft. Es hat schon ein wenig Kommunencharakter, das Ganze. Mit mehrheitlich modifizierten Entscheidungen nach ganz eigenem, akzeptierten Muster, Diskussionskultur und dem daraus resultierenden „sich kennen“. Es wird Wert darauf gelegt, dass es sich um eine Wohnanlage handelt, in der man miteinander und nicht aneinander vorbei lebt – auf unserem Rundgang legten wir denn auch mehrere Plauderstopps ein, die sich doch deutlich von einem „Guten Tag und Guten Weg“ anderer Häuser unterschieden. Als erkärte Dorfbewohnerin finde ich das sehr angenehm. Ein anderer Nebeneffekt ist natürlich, dass jeder auf das Eigentum achtet. Es gibt so gut wie keinen Vandalismus. Das „Graffiti“ im Treppenhaus ist gewollt und sozusagen der tägliche, kostenlose Motivationsschub.

Aber wie genau man dort lebt, wie es funktioniert, wenn sich ein Familienmitglied mal ein Bein bricht und wie man bitte seine zwei Kisten Wasser pro Woche vom Supermarkt in den dritten Stock bekommt – das erzähle ich dann in der nächsten Woche.

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Zu Besuch … bei der Blumenfrau im Kiez /2011/04/zu-besuch-bei-der-blumenfrau-im-kiez/ /2011/04/zu-besuch-bei-der-blumenfrau-im-kiez/#respond Thu, 28 Apr 2011 16:15:30 +0000 /?p=976 Lesen fortsetzen ]]>

Kennen Sie Känguruhpfötchen? Konnten Sie Ihrer Twilight-verrückten Freundin schon mal eine Rose namens Vampir schenken? Haben Sie schon mal zum runden Geburtstag die langstieligen, dunkelroten bekommen, die sich dann ungelogen über zwei Wochen hielten?

Nein? Dann sollte ich Sie mal mit unserer Blumenfee um die Ecke bekannt machen. Allein mit ihrer Auswahl an grünem Beiwerk würde ich liebend gern meine Vasen füllen. Neben den Standards wie Schleierkraut und Farn gibt es hier Blaubeerkraut, Pistaziengrün, Eukalyptuszweige und eben die Känguruhpfötchen. Und vieles mehr, aber immer nach Saison. Ob es um kleine Mitbringsel oder den großen Strauß zum Jubiläum geht, sie hat mich noch nie im Stich gelassen. Außer im August, wenn der Laden für vier Wochen geschlossen ist. Aber ein reines Ferienvergnügen sei das nicht, erklärt Frau Stehr. Die Nachfrage sei in dieser Zeit so gering, dass es einfach nicht zu rechtfertigen sei, dafür den normalen, umfangreichen Bestand an Blumen vorrätig zu haben. Zumal ihre empfindliche Ware im Sommer auch schneller verdirbt. Dafür eine Klimaanlage anzuschaffen, sei auch keine Lösung, Zum einen seien die Kosten anstronomisch, zum anderen sei es Betrug am Kunden. Denn wer bei hochsommerlichen Temperaturen eine klimatisierte Blume nach Hause trage, habe maximal zwei Stunden etwas davon.

Es gibt Frau Stehrs Laden schon seit bald 11 Jahren. Sie hatte bereits vorher in der Nähe gearbeitet, aber der eigene Laden war immer ihr Traum. An der Lage des Geschäfts gefällt ihr vor allem der Park gegenüber, das Gefühl von Luft, dass sie nicht hätte, wenn sie sich in einem Einkaufzentrum niedergelassen hätte. Außerdem ist ihr die Stammkundschaft aus dem Kiez wichtiger als die Laufkundschaft, die es beispielsweise am Bahnhof gibt.

Der Laden selbst befindet sich in einem eher schlichten Neubau. Eine große Fensterfront lädt zum Dekorieren ein, und die Schimmelprobleme, mit denen Floristen in Altbaugeschäften oft zu kämpfen haben, gibt es hier nicht. Auf die Frage nach ihren Lieblingsblumen sagt sie: „Jetzt gerade die Ranunkeln, nächste Wocher vielleicht die Pfingstrosen. Im Sommer der dunkelblaue Rittersporn und im letzten Winter habe ich geschworen, ich hätte noch nie etwas so schönes gesehen, wie die tief bordeauxroten Amaryllis.“

Was sie verändern würde, wenn sie könnte wie sie wollte? Renoviert hat sie gerade erst, seitdem ziert eine zarte grüne Bordüre die Wand. Es  gäbe schon sehr hochwertige Pflanzen, die sie schon gerne kaufen würde. Schöne Bonsai, die sich sehr gut im Fenster machen. Rosen mit meterlangem Stiel. Manchmal findet sie das reizvoll, aber in unserem sehr bodenständigen Kiez passt das nicht wirklich. Viele Familien mit Kindern, die es dann doch eher undramatisch mögen.

Kann ich sehr gut verstehen.

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