Küche – Wie sieht's denn hier aus? / Eigensinnig unperfekt zwischen Stadt und Land. Thu, 13 Sep 2012 19:23:23 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.1 Und wer macht jetzt den Abwasch? /2012/09/und-wer-macht-jetzt-den-abwasch/ /2012/09/und-wer-macht-jetzt-den-abwasch/#comments Thu, 13 Sep 2012 19:23:23 +0000 /?p=4813 Lesen fortsetzen ]]> Früher, als ich noch klein war, lehnte sich meine Mutter nach einer ausgiebigen Mahlzeit zurück und rief: „Minna!“ Nicht, dass sie damit gerechnet hätte, dass daraufhin eine eifrige Hausgehilfin aus der Küche gewuselt kommt und sich um den Abwasch kümmert. Wir hatten kein Personal. Aber irgendwann zog dann eine Spülmaschine in die Küche ein und weil die, nach anfänglicher Skepsis, doch als sehr hilfreich anerkannt wurde, erhielt sie den Rufnamen „Minna“.

Das hat sich hier quasi als Gattungsberiff für Spülmaschinen durchgesetzt, wie Tempo oder Tesa. Alle Spülmaschine wurden zur Minna und unsere jetzige ist bald zehn Jahre alt und sehr krank, äh, kaputt. Vermutlich irgendwas an der „Wasserweiche“. Ein Begriff, der mir ebenso neu war wie die Tatsache, dass wir einen „Wasserkasten“ im Auto haben (und das ist nicht die Kiste Spreequell im Kofferraum). Wie dem auch sei, nach eingehender Recherche hat mein Mann vom ursprünglichen Plan der DIY-Reparatur Abstand genommen. Angesichts des Gerätealters zweifeln wir auch am Sinn, zumindest am wirtschaftlichen, einer Reparatur durch den Fachmann. Vermutlich läuft es darauf hinaus, dass wir uns auf die Suche nach einer neuen Maschine machen, die unserem persönlichen Mittel aus Preis und Effizienz entspricht. Sind ja seit der IFA ein paar nette Geräte auf dem Markt.

Oder wir lernen das Kind an. Seit dem Foto sind ein paar Jahre vergangen und  Abwaschen kann man doch auch als Kulturtechnik bezeichnen, die gelernt werden sollte, oder? Wir haben ja schließlich einen Bildungsauftrag. Aber ob sie jemals kommt, wenn wir „Minna!“ rufen, bleibt fraglich.

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Es gibt keine Abkürzungen /2012/09/es-gibt-keine-abkurzungen/ /2012/09/es-gibt-keine-abkurzungen/#comments Wed, 05 Sep 2012 18:05:58 +0000 /?p=3613 Lesen fortsetzen ]]> Letztens fand ich auf der heißgeliebten Seite Apartmentherapy einen Plan, dessen Ziel  für mich putzfaulen Menschen wie ein Magnet wirkte. Versprochen wurde nichts geringeres als der schnelle Weg zur ewig und immerdar aufgeräumten, sauberen … Küche.   20 Minuten sollten reichen. Schaute man jedoch genauer hin, war es mit 20 Minuten täglich noch lange nicht getan. Denn für diese sollte die Uhr erst zu laufen beginnen, NACHDEM man die Küche aufgeräumt, die Arbeitsflächen abgewischt und noch mal schnell durchgefegt hat. Dann erst sollte man 20 Minuten einer bestimmten Extra-Aufgabe widmen, und so im Handumdrehen die Küche in einen Ort des ewigen Friedens und der Gelassenheit verwandeln. Jedenfalls, wenn man das 30 Tage durchhält. Und wenn die 20 Minuten denn auch für tägliche Extra-Aufgabe reichen. Mein Highlight auf der Liste war Tag 18: Innenseite der Küchenschränke reinigen. In 20 Minuten. Diese Zeit hätte vielleicht ausgereicht, um mit dem Lachkrampf fertig zu werden, der mich spontan bei der Vorstellung überfiel, ich könnte alle meine Schränke in 20 Minuten aufräumen. Wer auch immer so einen Plan macht, kann eigentlich keine Küche haben. Oder jedenfalls keine, die so groß wäre, dass sie ein solches Aufräum-Programm rechtfertigen würde. Außerdem beschlich mich beim Lesen leise das Gefühl, dass hier eine fortwährende Routine eingeführt werden sollte. Also nicht: einen Moant durchziehen und Sie werden nie mehr Probleme haben. Sondern eine regelmäßige Angelegenheit, die einem erst dann leichter fällt, wenn man sie so oft erledigt, dass man sie im Schlaf bewältigt.

In meine Realität übertragen, würde das Abendprogramm dann so aussehen: nach dem Abendessen den Tisch abräumen und sich um die Spülmaschine kümmern, 10 Minuten. Arbeitsflächen aufräumen und abwischen, 10 Minuten. Küche durchfegen, saugen oder bei Bedarf schnell wischen, mindestens 10 Minuten. Dazu dann die 20 Minuten des „Machs-Dir-Einfach“ Programm, und wir sind bei 50 Minuten, die man jeden Abend der Küche widmet. Ich denke sogar, dass das funktioniert. Sogar meine Küche wäre ziemlich sicher picobello, wenn ich ihr jeden Tag eine knappe Stunde widmen würde.

Aber schnell ist was anderes. Und wer macht den Rest der Wohnung?

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Zu Besuch in der Schlachthaus-Küche /2011/03/zu-besuch-in-der-schlachthaus-kuche/ /2011/03/zu-besuch-in-der-schlachthaus-kuche/#comments Sat, 05 Mar 2011 09:49:51 +0000 /?p=132 Lesen fortsetzen ]]>

Besitzer: Sandra und Thomas
Seit: Haus gekauft 2002, Küche fertig seit 2004
Wo: In einem Dorf im Speckgürtel von Berlin

Der erste Gedanke, den man hat, wenn man zu Sandra und Thomas in die Küche kommt, ist, dass man sich irgendwie in der Gegend geirrt haben muss. So eine Küche erwartet man eher in einem Loft in New York oder London, wenn man ganz großzügig ist vielleicht noch in einer hippen ausgebauten Fabriketage in den Tiefen Berlins. Ganz sicher aber nicht in einem Haus mitten in einem mehr oder minder verschlafenen Dorf.

Aber auch in verschlafenen Dörfern im Speckgürtel, gab es „Industrie“ im weitesten Sinne und das Haus der beiden gehörte dazu. In seinem früheren Leben war es mal eine Eisfabrik und davor ein Schlachthaus. Wenn man genau hinschaut, dann sieht man das noch heute.

Denn Sandra und Thomas haben genau diesen industriellen Charakter des gesamten Hauses erhalten und die Küche in diesen Stil integriert. Das fängt bei dem Industrieofen an, der die Küche im Winter heizt – sehr, sehr warm heizt, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann. Zusammen mit dem Tisch, auf den Sandra eigenhändig Linoleum aufgebracht hat, ist er der Mittelpunkt des gesamten Hauses, vor dem sich von Hund bis Kind alles sammelt.

Selbst an regnerischen Tagen fällt auf, wie hell diese Küche ist. Die große Fensterfront geht zum Garten und die Betonfensterbank ziert japanisch angehauchte Deko, die dem Asia- Faible des Hausherrn Rechnung trägt. Daneben geht eine hohe Tür auf die Terasse hinaus, auf der im Sommer gesessen und ein gutes Glas Wein getrunken wird. Die Fensterrahmen sind aus Holz, damit kein Kunststoff den Gesamteindruck ruiniert.

Um die gesamte Raumstruktur mit den breiten Fenster- und Türleibungen zu erhalten – und um stilecht Stauraum zu schaffen – haben die beiden in einen der Türbögen einen Einbauschrank gebaut. Wie alles in dieser Küche selbst geplant und verwirklicht. Dabei wurde alt (Türbogen) und neu (IKEA-Schranktür) kreativ miteinander kombiniert. Ebenfalls beibehalten wurden auf beiden Seiten der Küche die Kacheln – sie waren ganz offensichtlich ein wichtiger Bestandteil des alten Schlachthauses und wurden quasi als Ur-Mutter aller Fliesenspiegel neuer, alter Bestimmung zugeführt.

Was ich an dieser Küche, in der ich mittlerweile oft gesessen habe, so schätze, ist die einmal die Unaufgeregtheit, in der die gesamte Umgebung daherkommt. Nichts wirkt dekoriert oder arrangiert sondern einfach so, als ob es schon immer dahin gehört hat.

Zum anderen sind es die schönen Kleinigkeiten. Wie beispielsweise die alte, schwarze Dreiersteckdose unter den Töpfen, die noch original ist. Oder der Wasserhahn, der direkt aus der Fensterbank kommt und sein Wasser in ein großes, viereckiges Industriewaschbecken abgibt. Die alte Metallwaage. Der alte Emailleteekessel. Es ist einfach stimmig und offensichtlich mit viel Liebe zu Detail ausgesucht, ohne dabei lieblich zu wirken.

Das sind, zugegeben, alles Dinge, die mir erst beim zweiten und dritten Blick aufgefallen sind. Denn ganz ehrlich, als ich das erste Mal die Küche betrat, konnte ich mir nicht vorstellen, wie man hier gemütlich sitzen und die Zeit verquasseln kann. Jetzt kann ich es mir nicht nur vorstellen sondern habe es öfter getan, als mir lieb und meinem Zeitmanagement lieb ist.

Sie ist einfach das, was für eine Küche sein soll: Der gefühlte Mittelpunkt des Hauses.

Sie selbst sehen Ihre Küche so:

Wie würdet Ihr den Stil Eurer Küche beschreiben?

Unsere Küche hat wie die gesamte Wohnung Loftcharakter. Historische, industrielle Elemente wie beispielsweise der alte Fliesenspiegel und der Heizkörper vermischen sich mit modernen Elementen. Hinzugefügt haben wir eine Betonfensterbank, den Betonfließboden und ein großes Panoramafenster nebst Terrassentür zum Küchengarten.

Seit wann habt Ihr sie in der Form?

Wir nutzen unsere Küche seit über sechs Jahren nahezu unverändert.

Selbst designt, designen lassen oder eine Mischung aus beidem?

Wir sind Selbstgestalter.

Was gefällt Euch an Eurer Küche am besten?

Der sachlich unaufgeregte Charakter.

Was ist Euch generell in einer Küche am wichtigsten?

Wir schätzen hohe Arbeitsflächen von mindestens 90 cm Höhe, eine offene Raumwirkung (keine Hängeschränke).

Wenn Ihr könntet, wie Ihr wolltet, was würdet Ihr Euch für Eure Küche noch anschaffen?

Unbedingt einen professionellen sechsflammigen Gasherd mit elektronischem Backofen.

Wie sieht für Euch das perfekte selbstgekochte Essen aus?

Lebensmittel nach der Saison, ein neues Rezept, das am Ende allen schmeckt und viel Lob einheimst.

Was habt Ihr gestern gekocht?

Falafel

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